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Südostasien: Thailand - Kambodscha - Vietnam

Ankunft in Bangkok
Diese Stadt lebt - Tag und Nacht! Umtriebig, geschäftig und laut. Sieben Millionen quirlige Menschen leben in der Metropole der Gegensätze. Und wir beide mittendrin! Wir, das sind Evelyn und Werner, kamen via Jordanien nach Bangkok. Die Mentalität der Menschen konnte unterschiedlicher nicht sein. Waren dort die Menschen noch ruhig, gelassen und verschlossen, trafen wir hier auf lebenslustige, aktive und sich ständig in Bewegung befindliche Schauspieler - jeder in seinem eigenen Lebenstheater. Wir kannten die Stadt bereits und so wollten wir nicht all zu lange verweilen. Doch drei Tage waren trotzdem die minimale Aufenthaltsdauer bevor es losging mit der Rundreise.
Erst einmal in die Khao San Road. So schlimm sie ist, so herrlich ist hier auch das Flanieren und Herumbummeln. Am Morgen hat die Straße noch einen Kater vom Vortag, wirkt mit ihren Verkaufsständen und Shops ein wenig ratlos, was der Tag so bringen wird. Doch schon am frühen Nachmittag beginnt das Leben. All die jungen Backpacker wachen auf, sitzen in den Cafés und sinnieren über den gestrigen Tag, den Weltfrieden oder einfach nur über die geplante Reiseroute. Einige buchen hier in den vielen Reisebüros auch gleich die Weiterreise, den Shuttle-Bus zum Flughafen oder den Heimflug. Überraschender Weise sind die Preise in den Khao San-Reisebüros meist sogar billiger als anderswo und das Angebot ist überschaubar und gut. Richtig lebendig wird es dann am Abend, wenn der Schmelztiegel der Stadt alle Traveler vereint: Laute Musik und schrille Menschen sind dann ebenso anzutreffen wie die Pad-Thai-Straßenköche oder die Verkäufer von Dingen, die man eben unbedingt noch benötigt auf seiner Reise. Und manche Backpacker sind auch gleich hier in Bangkok hängengeblieben und traten die Reise zu den Inseln (Kho Samui, Kho Tao, Kho Pi Pi, Kho Na Trangh, etc.) erst gar nicht mehr an. Wir haben diese wirklich wunderschöne Inselhüpf-Tour schon im Vorjahr erledigt und hatten uns heuer die Westseite und zwei weitere Länder vorgenommen.
Aber bevor es losging haben wir noch einige Sehenswürdigkeiten, die wir beim letzten Mal ausgelassen hatten, besucht und uns noch am Nightmarket und im MBK (das belebteste Einkaufszentrum der Stadt) mit den wichtigsten Dingen für die Reise eingedeckt. Das Lustige an Bangkok ist, dass man bei jeden Besuch wieder etwas vollkommen Neues entdeckt: neue Einkaufszentren, neue belebte Straßenzüge, neue Sehenswürdigkeiten und Bezirke. Es scheint als ob sich diese Stadt ständig neu erfindet. Hoteltipp in Bangkok: Das Cozy-Hotel in der Nähe der Khao San ist recht gut und günstig, vor allem aber sauber und trotz Zentrumslage relativ ruhig. Solltet ihr bessere Hotel-Tipps haben, genügt ein Mail an hello@frangle.org
Weiterreise nach Trat und Insel Koh Chang
Mit dem Taxi sind wir dann zur Ekamai-Bus-Station gefahren. Das Taxifahren ist übrigens billiger und natürlich sicherer als die Tuk-Tuk-Fahrten. Jedoch ist es in den Taxis meist sehr kalt (die Klimaanlagen sind immer voll im Einsatz) und die Radios sind auf Partylautstärke aufgedreht. Auf jeden Fall immer viel Zeit einplanen, da in Bangkok eigentlich rund um die Uhr Stau herrscht. Wenn es schnell gehen muss, ist noch der überfüllte und eisgekühlte Skytrain (oberirdische Schnellbahn) oder die Metro das Beste. Mit ein wenig Glück könnte bald auch die Skytrain-Verbindung zum Flughafen fertiggestellt sein, was eine gewaltige Zeitersparnis bedeuten würde. Die öffentliche Verbindung vom Flughafen in die Stadt ist zur Zeit eher umständlich mit Bussen und mindestens zweimaligem Umsteigen zu bewältigen. Wir haben es in unserem ersten Jahr gemacht, und es war als erster Kontakt zu den Thais unglaublich lustig aber aufgrund der fehlenden Beschriftung auf Englisch nicht gerade leicht zu finden.
Also zurück zur Ekamai-Bus-Station und dem Bus nach Trat im Südwesten Thailands. Um 190 Bath ging es in einem stark gekühlten Bus um Mitternacht los. Da wenige Leute einstiegen, konnten wir es uns in der letzten Reihe zum Schlafen gemütlich machen. Wenn da nicht der nächtliche Regen in die Undichtheit des Busdaches gewesen wäre. Ständig tropfte es von irgendwo auf uns herab. Kaum eingeschlafen, wurden wir auch schon wieder durch einen Tropfen am Kopf oder eine feuchte Stelle am Gewand geweckt.
In der Früh sind wir dann nach knapp fünf Stunden im Bus feucht, müde und unterkühlt in Trak angekommen. Trat selbst haben wir eigentlich gar nicht gesehen, da wir direkt mit dem Taxi (50 Bath) zur Fähre nach Koh Chang weitergefahren sind. Die Verbindung klappte perfekt und zwei Stunden später waren wir auch schon auf Koh Chang. Das Problem bei den meisten Fährverbindungen am thailändischen Festland ist die abgeschiedene Lage der Docks. Man ist meist den örtlichen Taxifahrern und deren Verhandlungsgeschick ausgeliefert. Das bedeutet, dass die Preise hier nach Lust und Laune festgelegt werden.
Auf Koh Chang zum Beispiel zahlten wir pro Person 100 Bath um nach 10 Minuten einen Verhandlungsstopp zu haben. Da jedoch keiner der 8 Personen im Sammeltaxi nach 30 Minuten Wartezeit mehr bezahlen wollte, ging es ohne Aufschlag zum Ziel der Fahrt, Lonely Beach.
Der Lonely Beach wird zwar seinem Namen auch nicht mehr gerecht, aber im Gegensatz zu den überfüllten Stränden der bekannteren Insel Koh Samui und Co. ist es hier noch sehr beschaulich. Da wir keine Strandhütte fanden, marschierten wir zwei Kilometer zurück Richtung Nature Beach - Taxis gibt´s hier nicht so häufig. Aber ein Strandspaziergang hat ja auch was Schönes. Wir waren im Juli unterwegs und hatten aufgrund der Regenzeit ein wenig Pech mit dem Wetter auf Koh Chang. Noch dazu fing ich mir in Bangkok (Werner) einen Grippevirus ein und lag mit Fieberschüben bei Dauerregen in der Strandhütte herum. Es war kein richtig guter Start für unsere Rundreise!
Als sich am nächsten Morgen das Wetter ein wenig besserte und wir noch in eine Hütte mit Klimaanlage wechseln konnten ging es dann schön langsam bergauf. Die Klimaanlage sorgte nicht nur für eine ertragbare Temperatur, sondern verscheuchte auch die Moskitos und wir konnten ohne Netz schlafen. Auch am nächsten Morgen war das Wetter wechselhaft und immer wieder regnete es. Daher entschlossen wir uns einen Tag früher in Richtung Kambodschanische Grenze aufzubrechen.
Trat - Grenze Thailand-Kambodscha (Ban Pak Card) - Pailin
Am nächsten Morgen ging es also mit der Fähre zurück nach Trat und von dort mit dem Bus nach Pong Nam Ron, der Grenzstadt auf thailändischer Seite. Leider versäumten wir dort den letzen Bus zur Kambodschanischen Grenze, der um 16 Uhr ging. Ein Regenschauer kündigte sich mit schweren Wolken an und wir standen an einer Weggabelung und verhandelten mit Mopedfahrern um die halbe Stunde zur Grenze noch an diesem Tag zu schaffen. Da wir uns im Preis nicht einigen konnten, zogen wir weiter und fanden einen chinesischen Händler, der uns gerne für einige Bath mit seinem Pick-up zu Grenze brachte. Da er wusste, dass die Grenze knapp nach 17 Uhr schloss, telefonierte er sogar noch mit den Grenzbeamten und kündigte uns dort an. Die Einreise war (anders als im Lonely Planet beschrieben) kein Problem. Kein Schmiergeld, keine langen Wartezeiten, einfach nur nette Beamte, die einen Spaß mit uns beiden hatten. Von der Grenze war es dann ein leichtes Spiel in die nächste Stadt zu kommen. Wir hätten aber auch direkt hinter der Grenze übernachten können, da sich dort einige Spielcasinos angesiedelt haben, die den Thais dort das Geld aus den Taschen zogen (in Thailand ist angeblich das Glücksspiel verboten und daher fahren etliche reiche Thais nach Kambodscha zum Zocken).
Wir fuhren aber mit dem Taxi weiter nach Pailin, der ersten größeren Stadt in Kambodscha. Beim Verhandeln mit dem Taxifahrer vor Ort ist wieder etwas Geschick gefragt. Da es aber keine Konkurrenz gibt, ist der Verhandlungserfolg immer mit größerem Zeitaufwand verbunden. Nach Pailin führt eine Schotterpiste, die auch die Stadt quert, was die ganze Gegend je nach Witterung entweder staubig oder schlammig macht. Oder beides! Pailin selbst besteht aus einer Durchzugstraße, einigen kleinen Nebengässchen, einem Markt und zwei Motels. Prinzipiell meiden wir Motels mit großen Leuchtreklamen und in diesem Fall vertrauten wir abermals Lonely Planet und gingen ins "Le Manoir de Pailin", dem angeblich ersten Haus des Ortes. Das mag es vielleicht einmal gewesen sein. Im Jahr 2009 war es das leider nicht mehr. Das Restaurant, das noch als ausgezeichnet beschrieben wurde, war geschlossen und die Zimmer glichen einer Baustelle - die Hüttenschlafsäcke musste wieder herhalten, da in diesem Haus die Bettwäsche auch nicht nach jedem Gast getauscht wurde. Die Klimaanlage war auch nur Zierde und weder die Dusche noch das WC wurde in diesem Jahr gründlich gereinigt. Von dem Zimmer restlos enttäuscht, gingen wir zum Markt, waren aber dennoch glücklich die Grenze bereits hinter uns zu haben und freuten uns auf Kambodscha. Hier machten wir die ersten Bekanntschaften mit den Einheimischen - faszinierend freundliche, herzliche Menschen. Kambodscha ist generell kein reiches Land, aber diese Gegend ist mit Abstand das ärmste Gebiet in der Region. Kein Grund für die Bewohner dieses Landstriches ihre Lebensfreude und Gastfreundschaft zu verlieren. Ganz im Gegenteil: Ausgestattet mit unseren Reiseführer-Khmer-Kenntnissen, Händen und Füßen hatten wir einen unglaublichen Spaß mit den Einheimischen am Markt und sie zeigten uns die Geheimnisse der Khmerküche.
Am nächsten Morgen, das Wetter war ab der Grenze wie ausgewechselt und die Sonne begrüßte uns, streiften wir durch die Stadt und trafen einen Schweizer, der schon seit Jahren dort lebt und als Lehrer den Kindern vor Ort PC- und Englischunterricht gibt. Er sagte von sich, dass er nicht wirklich gut darin sei, aber es sei immer noch besser, er macht es, als keiner. Solltet ihr also in diese Gegend kommen, fragt doch bitte nach, was er von FRANGLE.org benötigt und schreibt es an hello@frangle.org
Pailin - Battambang
Die Straße von Pailin nach Battambang (sprich Battambong) ist ein Slalom durch weggeschwemmte Brücken und riesigen Schlammlöchern. Angeblich sollte sie schon im Jahr 2008 neu asphaltiert werden. Aus Kostengründen hatte man aber einige Vietnameisch-Chinesische "Straßenbaukünstler" engagiert, die dieses Provisorium bauten. Nun wird diese "Lösung" wohl noch einige Jahre bestehen bleiben (klingt eigentlich ziemlich Österreichisch, wo Provisorien auch die höchste Haltbarkeit haben). Battambang entschädigt allerdings für die anstrengende Fahrt im Sammeltaxi (drei Personen in der ersten Reihe, vier am Rücksitz).
Abseits der großen Touristenströme genießt Battambang einen kleinen Dornröschenschlaf. Wir fanden als zweite Anlaufstation ein sauberes, geräumiges Zimmer im Hotel International um US$ 15,-. Die Lonely Planet-Empfehlung (ein von einem Australier geführtes Hostel) war eine schäbige Absteige um US$ 20,-. Sonst war der Reiseführer aber in allen Belangen hilfreich und wirklich empfehlenswert. Wahrscheinlich sind beim Update 2010 diese kleinen Berichtigungen schon erfolgt. Der Markt, direkt beim Hotel International ist unbedingt zu empfehlen. Hier sind zwar schon einige Touristen (anders als in Pailin) aber die Waren sind nahezu ausschließlich für die Einheimischen gedacht. Solltet ihr eine Hilfsorganisation in der Umgebung besuchen, ist es ein guter Ausgangspunkt um alle benötigten Waren zu bekommen.
Am nächsten Tag als wir die Bootstickets für die Fahrt nach Siem Reap kaufen wollten, trafen wir den Tuk-Tuk-Fahrer Tee, der uns zu einer Rundreise überredete. Die wohl beste Entscheidung der Woche, da er uns als ehemaliger Englischlehrer bestens über Land und Leute informierte. Er zeigte uns eine Reisnudelfabrik, wir fuhren den legendären Bamboo-Train (unbedingt mitfahren - es ist purer Spaß!!!), tranken erntefrischen Palmwein und legten schließlich noch einen Tratsch bei seiner Familie ein. Der Tag war ein wunderbares Erlebnis, das ich jedem nur empfehlen kann. Wir sind übrigens mit Tee immer noch in Kontakt, der uns bei den Kambodschanischen Hilfsorganisationen vor Ort hilft.
Mit dem "Speedboot von Battambang nach Siem Reap

Das Speedboot ist ein Knüller! Die Fahrt war im Reiseführer, wie auch am Pier mit 3,5 bis 4 Stunden angegeben - je nach Wasserhöhe im Kanal in Richtung Tonle Sap. Tatsächlich waren wir dann trotz einer Abkürzung durch einen Minischilfkanal mehr als sieben Stunden unterwegs. Aber wir haben jede Minute davon genossen! Anfangs war es noch eine kurvige Fahrt durch eine Dschungelgegend, später wurde die Landschaft flacher, die Bäume wurden seltener und wir kamen vorbei an Reisfeldern und Pfahlbaudörfern. Am Tonle Sap, dem riesigen See, angekommen sahen wir erstmals die berühmten schwimmenden Dörfer, die wir noch öfters im Mekong-Delta sehen werden. Es war einfach faszinierend schön!
Siem Reap - Angkor

In Siem Reap angekommen (genauer gesagt am Bootsanlegplatz außerhalb der Stadt), wurde das Boot schon von jungen Tuk-Tuk-Fahrern gestürmt. Jeder krallte sich einen Touristen und brachte ihn unglaublich günstig ins Zentrum zu den vielen Hotels, Hostels und Herbergen. Während der Fahrt wurde uns auch klar wieso sie um lediglich einen US$ die Strecke fuhren: Während der Fahrt versuchten sie sich als Guide für den nächsten Tag zu empfehlen. In unserem Fall gelang es ihnen und wir buchten das Tuk-Tuk den gesamten Tag für die Fahrt durch die Tempel von Angkor. Es war eine gute Entscheidung, denn unsere Ausgangsidee, alles mit dem Fahrrad zu besichtigen, wäre aufgrund der riesigen Entfernungen zwischen den Tempeln eine große Strapaze gewesen. Mit dem Tuk-Tuk hat man wenigstens von Tempel zu Tempel etwas Entspannung und der Fahrer ist nebenbei noch Guide und Übersetzer.


Wir wählten eine eher ungewöhnliche Route und begannen in der Früh mit einem etwas entfernteren Tempel mitten im Dschungel, der weitgehend von Urwaldriesen überwuchert wird. Da die meisten Touristen in der Früh mit dem berühmten Tempel von Angkor Wat beginnen, waren wir nahezu allein bei diesem beeindruckenden Wettkampf Tempel vs. Urwald. Dann ging es weiter über angelegte Teiche zu einer nie fertig gestellten, aber dennoch sensationellen Pyramide, vorbei an unzähligen kleineren Tempelanlagen und Gärten schließlich nach Angkor. Diese "Stadt" ist eigentlich eine enorme Ansammlung von großartigen Königsgräbern, traumhaften Gärten, künstlich angelegten Teichen und Tempeln, die ein eigenartiges Nebeneinander von vielen Religionen darstellen. Es ist einfach zu riesig um alles in einem Tag abzuklappern. Zu viel Schönheit und Einzigartigkeit auf so engem Raum. Wir empfehlen zumindest zwei, wer es gemütlicher mag, besser drei Tage zur Erkundung. Manche bleiben aber auch eine Woche oder länger hier und erkunden die Umgebung.

Am Abend trifft man im Stadtzentrum auf erschöpfte aber zufriedene Traveller, die das Flair von Siem Reap genießen. Der Night Market ist zwar rein touristisch, bietet aber dennoch recht gute Angebote und Souvenirs, die wir später auf anderen Märkten der Region erfolglos suchten. Die Schattenseite des Tourismus ist hier die Prostitution - wie so oft in den ärmsten Gebieten. Es gibt aber eine stetig wachsende Zahl an Organisationen, die der Kinderprostitution dem Kampf ansagt. Gerade hier in Siem Reap findet man viele dieser Hilfsorganisationen, die die Kinder von der Straße bringt und Ihnen einen Start in ein neues Leben ermöglicht. Einfach vor Ort informieren und hier eure Erfahrungen darüber berichten.
Siem Reap - Phnom Penh
Es war unser 13. Tag und wir entschlossen uns, statt mit dem langsamen Boot (die sieben Stunden drei Tage zuvor waren ausreichend) mit dem Bus weiter nach Phnom Penh zu reisen. Wir erreichten die Hauptstadt Kambodschas nach 7 Stunden und somit wieder 1,5 Stunden später als geplant. Fahrpläne sind hier eher grobe Richtwerte und nie erreichte Idealzustände. Man gewöhnt sich aber rasch daran und wir empfanden es bald als zusätzliche Liebenswürdigkeit der einheimischen Bevölkerung, die wir mit jedem Tag mehr ins Herz geschlossen haben. Lediglich die vielen bettelnden Kinder, die auf der Straßen leben, machten uns ständig betroffen. Wir unterstützen keine Kinder direkt, sondern versuchen sie von der Straße zu bekommen, indem wir Organisationen helfen, die Schulen oder Ausbildungsstätten führen und so den Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen. Gerade hier in Phnom Penh gibt es viele Cafés und Restaurants, die Kindern und Jugendlichen eine Schulbildung und eine Anstellung als Kellner oder Koch geben. Nach einigen Jahren werden sie mit einem Startkapital ausgestattet und eröffnen ihre eigene mobile Küche, ihren Stand oder möglicherweise sogar ein kleines Lokal. Hier wieder ein Aufruf an alle FRANGLES: Bitte sendet auch einmal ein Mail direkt von eurer Reise und lasst uns teilhaben an euren Erlebnissen.
Phnom Penh ist mit Ausnahme der Strandpromenade am Tonle Sap nicht gerade eine Schönheit. Das Backpackerviertel ist sogar eine kleine Zumutung für zarte Mitteleuropäernerven: Stickig, stinkig, laut und schmutzig. Selbst die Märkte sind nicht gerade einladend, wenn man einmal von den Eigenheiten der Snacks absieht: gebratene Käfer, Heuschrecken und Spinnen gelten in Kambodscha als Delikatesse - guten Appetit!
Eine Besonderheit ist auch, dass es viele Leute gibt, die den ganzen Tag im Pyjama herumlaufen. Wieso konnten wir leider nicht herausfinden - aber bequem ist es allemal und lustig sieht es auch aus. Hier trafen wir auch erstmals auf die hohen Fahradtaxis, die uns nach langen Spaziergängen abends zurück ins Hotel brachten.
Am Mekong nach Vietnam
Zwei, drei Tage in der hektischen Hauptstadt und man fährt gerne den Mekong entlang in Richtung Vietnam. Als Alternative kann man auch die Straße in Richtung Chao Dok (Vietnam) nehmen und noch die Organisation "Educational Training Organization (ETO)" besuchen. Diese Schule für bedürftige Kinder befindet sich in der Ortschaft Taso (Provinz Takeo). Hier findet ihr mehr Infos zu diesem Projekt >>
Der Grenzübergang nach Vietnam ist eine Sache für sich. Nach einem Gesundheits-Check (Schweinegrippe) und einer zu hohen Visagebühr, die erst nach vehementer Diskussion korrigiert und zurückbezahlt wurde, geht es schließlich in eines der letzten Realsozialistischen Staaten der Erde.
Bevor wir Chao Dok mit dem Boot erreichten, sahen wir noch etliche Wasserbüffel in einem der unzähligen Kanäle im Wasser baden. Da hier doch viele Touristen durchkommen, waren wir nicht mehr sicher, ob diese Szenerie nicht auch nachgestellt wurde ;-)
Die Stadt Chao Dok war zu unserer Überraschung sehenswert und aufgrund des lebendigen Marktes im Stadtzentrum sehr lustig. Das Essen entfernt sich zusehends vom europäischen Standard. Evi vermisst zwar schön langsam die Thaiküche, aber für mich als Vegetarier ist es immer wieder spannend eine Bestellung aufzugeben bzw. die Überraschung zu erleben, wenn das Bestellte so gar nicht den Erwartungen entspricht.
Die Drei-Tages-Mekong-Delta-Tour inklusive Fahrt nach Saigon (von Mekong-Tours) war dann ein voller Reinfall: Schlecht gelaunte Reiseführer ("This is the fish farm. There you can see many fish"), noch schlechtere Hotels und viele ausgelassene Sehenswürdigkeiten waren einfach enttäuschend. Am besten einfach vor Ort einen englischsprachigen Einheimischen fragen, der einen die Umgebung zeigt. Das macht garantiert mehr Spaß und man kommt ein wenig abseits der Touristentrampelpfade zu völlig anderen Erlebnissen. Jedoch sehenswert ist der Schwimmende Markt bei Can Tho, bei dem die Bauern der Gegend ihre Waren auf Booten feilbieten. Je früher ihr dort seit, umso eher seht ihr die einheimischen Händler beim Verhandeln und Verladen der Waren. Auch einen Ausflug wert sind die Schwimmenden Dörfer in dieser Gegend, die unter ihren "Häusern" in Käfigen im Fluss Fische züchten. Stellt euch vor, ihr macht bei eurer Wohnung eine Klapptür im Boden auf und holt euch einen von tausenden Fischen zum Abendessen aus dem "Keller"...
Von Saigon ins Surferparadies Mui Ne
Saigon (oder Ho-Chi-Minh-Stadt wie es nun im Kommunismus heißt) war für uns eine lustige Abwechslung vom Mekong-Delta. Phnom Penh hat uns ja ein ganz klein wenig enttäuscht, umso mehr ist Saigon wieder ein interessantes Abbild einer geschäftigen, umtriebigen und vor allem aufsteigenden südost-asiatischen Metropole. Auch hier wohnen über sieben Millionen Menschen, die mit ebenso vielen Mopeds die Straßen in einem Höllentempo beherrschen. Solltet ihr im Umland unterwegs sein, findet ihr als Abkürzung für die Stadt öfters TP. HCM bzw. HCMC oder HCM City. Zu empfehlen sind auf jeden Fall die Märkte der Stadt, wie auch das Chinesische Viertel Cholon, wo eine halbe Million chinesisch stämmige Vietnamesen leben und rührigen Handel treiben. Shopping in Saigon ist zwar nicht so einfach wie in Bangkok aber wir fanden einige tolle Sachen: Wir haben zum Beispiel in Saigon bei knapp 32° Celsius eine Snowboardjacke gekauft. Nicht unanstrengend!

Das Backpacker-Viertel etwas außerhalb des Zentrums ist zwar "nichtganzsosauberwiegewünscht" aber durch die herrliche Lage am Fluß unbedingt sehenswert und lädt zu einen gemütlichen Chillout-Abend auf einer der Holzterrassen ein. Wie nahezu überall in der Region gibt es die schmackhaftesten, frischen Früchteshakes, Smoothies und Fruchstäfte zu einem unvorstellbar günstigen Preis. Ihr müsst unbedingt die verschiedensten Früchte durchprobieren und euren Favoriten herausfinden (unser Topdrink ist ein Fruchtshake aus reifen Drachenfrüchten, dessen unglaubliche Magenta-Farbe nur noch vom sensationellen Geschmack übertroffen wird). Einige Probleme könnte das Wasser, mit dem die Eiswürfel gemacht werden darstellen, da es meist einfach aus dem nächstbesten Fluss genommen wird. Wir sind bei einer Eisfabrik am Mekong vorbeigekommen und haben dann zumindest für zwei, drei Tage auf Eis verzichtet ;-). Aber auch sauberes Eis in rauhen Mengen reicht meist aus, um die Verdauung am Beginn der Reise aus dem Gleichgewicht zu bringen. Für diese Region empfehlen wir den Stefan Loose-Reiseführer, der auch noch einige unverbrauchtere Geheimtipps liefert. Denn alles was in den großen Traveller-Reiseführern steht, wird von tausenden Backpackern gestürmt.
Nach einigen Tagen ging es weiter nach Mui Ne, einem kleinen Fischerdorf am Südchinesischen Meer. Nach knapp fünf Stunden Fahrt mit dem Bus kamen wir im Kitesurf-Mekka der Region an. Zum Bus muss noch gesagt werden, dass wir für längere Fahrten "Ohropax" oder einen iPod empfehlen, da es sich sämtliche vietnamesichen Busfahrer nicht nehmen lassen, bei jedem Moped oder Fahrrad, dass den Weg kreuzt, zu hupen. Und da es wahrhaftig viele davon gibt, wird es nach einigen Stunden zur Qual. Vor allem, wenn man in der Nacht zuvor wenig geschlafen hat. 
Mui Ne ist aufgrund der schönen Sandstrände und des coolen Surferumfeldes ein wenig touristischer als die Umgebung. Aber es zahlt sich wirklich aus, diesen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Nette Bars und Nachtclubs aber auch noch die typischen einheimischen Restaurants und Fischerlokale laden zu einem gemütlichen Ausspannen ein. Das war auch notwendig, da wir obwohl die beste Kitesaison im Juli noch gar nicht begonnen hat, doch zwei gute Surftage hatten. Es sind keine einfachen Bedingungen, aber hat man sich erst einmal an den Side/On-Shore-Wind und die Shorebrake-Wellen gewöhnt, hat man einen unvergesslichen Kitetag vor sich. Das Leihmaterial vor Ort ist überraschend gut und in nahezu allen Größen verfügbar (auch gute Trapeze sind zu haben!). Eine Material-Versicherung lohnt sich trotzdem, da einige Kites schon genäht sind und die Bedingungen im Sommer etwas gewöhnungsbedürftig sind. Die Kitelehrer und Guides sind freundlich und immerzu hilfsbereit.
Wir haben uns ein Moped ausgeliehen und konnten so die Umgebung erkunden. Einige verschiedenfarbige Sanddünen und Chamtempel, aber auch die riesigen Gitterlandschaften zur Trocknung von Fischen (für die Fischpasteerzeugung) sind wirklich beeindruckend. Der Geruch übrigens auch! Wir haben übrigens für 20,- US$ im Small Garden Resort eine wunderschöne Hütte nahe am Strand gefunden.

Nha Trang - die touristische Ecke Vietnams
Diese Ecke erinnert stark an die Strand-Vergnügungsmeilen von Spanien oder Griechenland. Als Travel-Abwechslung und zur Entspannung tun einige Tage Strand aber durchaus gut. Da wir das allerdings in Mui Ne bereits in hoher Qualität genießen durften, haben wir Nha Trang eher kurz gehalten.
Sehr lustig ist aber das abendliche bzw. nächtliche Treiben am Stadtstrand, wo die Einheimischen nach Sonnenuntergang in Scharen eingefallen sind und bis spät in die Nacht feierten und schwimmen waren. Unter Tags braten die Touristen in der Sonne und in der Nacht schwimmen die Vietnamesen. Diese komische Zweiteilung haben wir sonst noch nirgends so stark erlebt. Der nächste Tag war reserviert für einen Tauchausflug, zu einigen vorgelagerten Inseln. Die Unterwasserwelt ist beeindruckend und kann problemlos mit den Tauchrevieren rund um Ko Tao (Thailand) mithalten. Auch die Preise dafür sind nicht nennenswert und das bei absolut neuwertiger Ausrüstung.
Die Rückreise über Saigon nach Bangkok
Wir haben noch einen Tag angehängt und fuhren schließlich mit dem Nachtbus (mit super lustigen Liegebetten) zurück nach Saigon. Nach zwei Tagen Verschnaufpause und Abschied nehmen auf der Dachbar des Hotel Rex, flogen wir mit Air Asia von Saigon nach Bangkok retour - für lediglich US$ 29,-. Moderne, saubere Flieger und freundliche Flugbegleiter - alles in allem ein tolles Angebot, das wir zu 100% weiterempfehlen können. Wir haben den Flug bereits hier in Österreich gebucht und es war unser einziger Fixpunkt, der sonst je nach Lust, Laune und Wetter abhängigen Reiseroute.

Auch in Bangkok blieben wir weitere zwei Nächte und genossen das bunte Treiben zum Abschluss der Reise. Noch ein Pad Thai und ein frisch gepresster Mandarinenshake, noch einmal mit dem Boot den Chao Phraya entlang am Königspalast und schon war das Monat Auszeit vorbei.
Kaum in Wien gelandet, glücklich darüber, dass alles so wunderbar geklappt hat, ging auch schon die Diskussion los, wo es denn wohl das nächste Mal hingehen wird...
Wir freuen uns, wenn ihr von unserem Bericht ein wenig profitieren konntet oder unter Umständen Lust bekommen habt, die eine oder andere Region zu besuchen.
Viel Spaß beim FRANGELN und lasst uns an euren Erfahrungen teilhaben
Evelyn und Werner
FRANGLE.org, 2009


