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Sri Lanka - Anna in Sri Lanka Teil 2

Eine weitere Woche ist vergangen und wieder ist einiges passiert. In dieser Zeit des Jahres fühlt man sich hier wie in einem ständigen Dampfbad, der Schweiß rinnt einem in Strömen vom Gesicht, auch wenn man sich keinen Zentimeter bewegt, aber zumindest reinigt das die Poren. So kämpfe ich mich jeden Tag, nachdem ich meine Morgenseiten geschrieben habe, ein bisschen Yoga gemacht habe und eine Kokosnuss mit einem Strohhalm ausgeschlürft habe, zu meinem Unterricht, wo ich ich mich bereits schon wieder duschen könnte wenn ich ankomme. Umgeben von drei Ventilatoren beginnen wir mit dem Unterricht. Doktor Shantukamar ist sehr kompetent und unterrichtet sehr strickt klassische Homöopathie, so wie sie Hahnemann vor zweihundert Jahren festgelegt hat, es ist ein sehr spannendes Thema, vorallem frage ich mich immer mehr wie sich das hartnäckige Gerücht so stark in den Köpfen der Menschen festsetzen konnte, dass der Effekt von Homöopathie nicht wissenschaftlich nachweisbar ist, denn schon Hahnemann hat jedes Heilmittel an gesunden Menschen unterschiedlichsten Alters getestet und jeden Effekt penibel dokumentiert, wie soll es also bitte möglich sein, dass etwas unwissenschaftlich ist, wenn es an einem gesunden Menschen jegliche Symptome hervorruft mit dem der jeweils kranke Mensch mit diesen Symptomen geheilt werden kann, wenn doch kein einziges Molekül der ursprünglichen Substanz mehr in der Medizin enthalten ist? Da hat die Pharmaindustrie wieder einmal die Finger im Spiel gehabt und die Homöopathie systematisch zerstört als sie begann sich zu verbreiten, weil aus ihr kein Gewinn zu holen ist, da man nur ein Minimum einer einzigen Medizin für sämtliche Symptome benötigt, ob physisch oder psychisch. Der Unterricht ist dementsprechend sehr interessant, auch wenn das Gehirn von den mindestens 30 Grad leicht aufgeweicht ist, aber Gott sei Dank haben die Singhalesen ja die Angewohnheit alles doppelt und dreifach zu wiederholen. Nach dem Unterricht komme ich dann so gegen drei Uhr nach Hause und versuche beizeiten mir etwas zu kochen, wobei ich noch ein wenig mit meinem sehr eigenwilligen Gaskocher zu kämpfen habe.
Ich habe noch nicht so ganz realisiert, dass ich acht Monate hier verbringen werde und mache mir deswegen zeitweise selbst sehr viel Stress alles unter einen Hut zu bringen was ich so machen will, die Liste ist lange und meine sozialen Kontakte, die zu pflegen ich mir vorgenommen habe, häufen sich mit jedem Tag, denn eine junge Europäerin zieht die neugierigen Singhalesen hier an wie ein liegengelassenes Stück Küchen die Miniaturameisen in meiner Küche. Aber mit meinem guten Riecher für Menschen kann ich die Spreu vom Weizen trennen und verschwende meine Zeit nicht an irgendwelche uninteressanten Beachboys. Vor ein paar Tagen bin ich zum Lernen und Lesen in mein Lieblingsrestaurant am Strand gegangen, gleich neben Boo's Hotel. Nachdem ich mich zwei Stunden lang durch mein Vokabelheft gequält habe weil ich momentan ein leichtes Konzentrationsproblem habe, hat mich ein Franzose angequatscht, dessen singhalesischer Begleiter in einem fort telefoniert hat und ihm deshalb wohl langweilig war. Oscar kommt aus der französischen Teil Schweiz und spricht ein sehr sympathisches Englisch, wie die Franzosen es so an sich habe. Er kommt alle paar Monate nach Sri Lanka um Edelsteine zu kaufen, er hat mich an ihren Tisch gebeten und mich auf einen Drink eingeladen und wir haben uns sehr gut unterhalten. Nach einiger Zeit sind dann noch weitere Freunde dazu gestoßen, unter anderem der geschätze ein Meter fünfzig große Ravi, der zwar auch Singhalese ist, aber schon in jungen Jahren in die Schweiz gezogen ist und insofern einen Schweizer Pass besitzt und auch des Schwitzerdütsch mächtig ist. An diesem Abend habe ich noch nicht so viel mit ihm geredet, da es schon spät war und ich nach Hause musste. Am nächsten Abend allerdings, habe ich mich in Boo's Hotel mit Sumeda auf ein Businessmeeting getroffen, den ich das letzte Mal kennen gelernt habe, weil er mit einer Deutschen die ebenfalls in Boo's Hotel gewohnt hat, einen Tierschutzfilm für Vier-Pfoten gedreht hat. Er filmt, fotografiert und arbeitet mit diversen Grafikagenturen zusammen, ihm gefallen meine Arbeiten sehr und er will auf jeden Fall einen Kurzfilm mit mir gemeinsam drehen bevor ich wieder abreise. Wie ich da so sitze, kommt auf einmal die Partie vom Vorabend wieder daher, Oscar musste auf seinen nächtlichen Flug warten und seine Freunde leisteten ihm Gesellschaft. Als das Meeting vorbei war habe ich mich wieder zu ihnen gesellt, nach einer Zeit ist Ravi wieder aufgetaucht mit zwei seiner Freunde, weil sie mit dem Jamaikaner der momentan in Boo's Hotel wohnt, eine Jam-session machen wollten, ihn jedoch um eine halbe Stunde verpasst haben. Ravi ist wirklich ein witziger Kerl, er erzählt in einem fort irgendwelche Geschichten in einem Englisch-Französisch-Singh
alesisch-Schitzerdütsch-Gemisch und lacht dann hysterisch über seine eigenen Witze. Irgendwann sind Sudha (Oscars Juwelenbusinesspartner) und Oscar zum Flughafen abgerauscht und ich bin mit Ravi, seinen zwei Freunden und ihrer Trommel auf den Strand gegangen um ein bisschen zu chillen und zu musizieren. Da habe ich zum ersten Mal mit Ravi etwas ernsthafter geredet. Wenn man ihn besser kennenlernt merkt man, dass er nur oberflächlich den leicht Durchgeknallten spielt und in Wirklichkeit einiges drauf hat und sehr gescheit ist. Ich habe mit ihm über Earthships geredet und er kennt sich gut aus auf diesem Gebiet, er hat schon in jungen Jahren bei vielen Umweltschutzprojekten mitgemacht und betreibt ein kleines Business das Biogas-kocher herstellt die man mit Küchenabfällen füttert und so umweltfreundlich und kostenfrei kochen kann. Wie gesagt habe ich ihm von meiner Earthship-hotel-Idee erzählt und er hat mir erzählt, dass in Zeiten vor der britischen Kolonialisierung in Sri Lanka alle Häuser nur aus Lehm gebaut wurden, was viel natürlicher ist und natürlich kühlt, so dass man keine Klimaanlage benötigt. Er hat einen kleinen Grund in Hikkaduwa und einen großen Grund in Ratnapura wo er gerne mit mir gemeinsam diese Idee mit dem umweltfreundlichen Hotel umsetzten würde, er meint nämlich, dass er genau so jemanden wie mich braucht, um die Singhalesischen Investoren von diesen Ideen zu überzeugen, weil sie ihn wegen seines singhalesichen Aussehens, trotz seiner schweizer Staatsbürgerschaft, nicht ernst nehmen würden, alles was allerdings aus einem westlichen Mund kommt, wird als fortschrittlich und innovativ angesehen. An Kontakten fehlt es ihm nämlich nicht, die Frau einer seiner besten Freunde arbeitet beispielsweise fürs Investmentabteilung der Regierung.
An diesem Abend hat der liebe Ravi erkannt, dass ich etwas drauf habe und wir geistig auf derselben Welle reiten und hat deshalb beschlossen, dass er mich in seinen Freundeskreis einführen wird, der aus den coolsten Hanseln (Pseudonym von meiner Freundin Lisa und mir für Leute dies verstanden haben) die man in Sri Lanka finden kann, besteht. Er hat nicht zu viel versprochen; Gleich am nächsten Tag haben wir uns, nach meinem Unterricht, gemeinsam auf den Weg nach Ratnapura gemacht, auch um dem Dampfbad von Colombo für einen Tag zu entfliehen und ein kühleres Klima im Hochland zu genießen, das Ziel war die Todesfeier von Sudhas Schwiegervater, bei der er sich zeigen musste, und wie das in Sri Lanka eben so ist dauerte es, wegen der diversen Zwischenstops, bis sieben am Abend als wir dort ankamen. Auf der Todesfeier war so ziemlich das ganze Dorf anwesend und ich war aus Ausländerin natürlich wiedermal die Attraktion des Abends. Ich wurde ins Haus gebeten, wo der tote Schwiegervater zwischen Blumen aufbahrt gelegen ist, damit jeder Besucher ihm seinen Segen geben konnte. Es war der erste tote Mensch den ich in meinem Leben gesehen habe und es war nicht im geringsten beängstigend oder abstoßend. Der alte Mann lag da einfach würdevoll, in einem atemlosen Schlaf, die Hände in weißen, seidenen Handschuhen über dem Bauch gefaltet und strahlte etwas sehr friedliches aus. Man kann eine singhalesische Todesfeier nicht im geringsten mit einer europäischen vergleichen, niemand heult herum, die Enkelkinder laufen um den aufgebahrten Großvater herum, jeder Besucher begrüßt den Toten mit zum Segen gefalteten Händen und obwohl er nicht mehr lebendig anwesend ist, so ist er doch Teil der Gemeinschaft und umgeben von allen Menschen die ihn im Leben geschätzt haben. Der Tot ist nicht so wie bei uns, etwas fremdes, furchtbares, unnatürliches über das niemand sprechen will und jeder das Gefühl hat, bei der Abschiedsfeier in trauriger Todesstimmung sein zu müssen, er ist noch etwas natürliches, das zum Leben dazugehört und auch in das Leben integriert wird. Es war eine sehr interessante Erfahrung für mich. Von Sudhas Familie wurde ich liebevollst mit Essen und Getränken umsorgt, die Singhalesen sind so aufmerksam, dass man sich immer absolut willkommen und wohl fühlt.
Das war der erste Tag unter Ravi's Fittichen, der zweite hat den ersten noch um einiges getoppt; Er hat mich am nächsten Abend zu seinem Freund, einem sehr angesehenen Homöopathie-Akkupunktur-Ayuveda-Doktor gebracht, dessen Haus ein Treffpunkt für die coolsten Hanseln von Sri Lanka ist. Doktor Nalim kommt aus einer traditionellen Ayuveda-familie und das heilen liegt ihm im Blut. Als ich sein Haus betreten habe war ich schon vollkommen hingerissen; die Singhalesen haben nämlich normalerweise absolut keinen Geschmack was Inneneinrichtung betrifft, aber sein Haus sieht so aus als ob ich es mir in meiner Phantasiewelt selbst erdacht hätte; weiße Böden und Wände, weiße Möbel, gedecktes Licht, die Wände voll von wunderbaren Bildern, eine riesiger Schrank mit den vermutlich besten Büchern dieser Welt (zumindest nach meinem Geschmack), westlich-modern und doch mit viel individuellem Charakter… einfach wunderbar! Doktor Nalim hat eine unglaublich ruhige, positive Ausstrahlung und als erstes wurde mir ein Glas köstlichstem Rotwein eingegossen, danach hat er mich über meine Interessen befragt und mir alle paar Minuten ein neues Juwel an Buch auf den Schoß gelegt, ich müsste mindestens drei weitere Jahre hier verbringen um mich durch seine wunderbare Bibliothek zu lesen. Ständig sind irgendwelche neun interessanten Leute mit Begabungen und Interessen in die diversesten Richtungen ein und aus gegangen (deswegen ist Doktor Nalim auch nicht verheiratet weil ansonsten seine Freunde nicht mehr so ein und aus gehen könnten wie er es gerne hat). Die Runde hat mir sehr viel aufrichtiges Interesse entgegengebracht und mit all meinem über die letzten Jahre angehäuftem spirituellen oder innovativ-Welt-und-Lebens-verbesserndem Wissen war ich in dieser Gemeinschaft bestens aufgehoben, sie haben einfach zu so ziemlich jedem Thema, das ich angesprochen habe, etwas zu sagen und wissen natürlich noch viel mehr als ich, es ist einfach wunderbar! Ich hatte wieder einmal das Gefühl an einem weiteren Ort meiner ganz eigenen perfekten Welt angekommen zu sein. Und weil ich so ein gutes Karma habe hatte ich an diesem Abend auch noch das Glück, den von Ravi viel gepriesenen Mönchsfreund anzutreffen, der etwas später an diesem Abend mit seinen Bilderrollen unterm Arm hereinspaziert ist. Ich habe Ravi nämlich erzählt, dass ich hier in Sri Lanka einen wirklich weisen Mönch oder Yogi suche der mir etwas über Meditation beibringt, da hat er mir sofort erzählt, dass er so einen Menschen kennt. Auch er hat eine wunderbar weise Ausstrahlung und hat mir an diesem Abend einen mindestens dreistündigen Vortrag über unterschiedlichste hochinteressante Dinge gehalten; Sanskrit, das Leben eines Mönches, Formen der Meditation, Astrologie… Mein, vom Wein leicht benebelter Geist, ist fast explodiert an diesem Abend durch den Schwall an Input. Schlussendlich habe ich ihn noch gebeten ob er mir aus der Hand lesen würde, da hat er seine Lupe aus der Tasche geholt und angefangen an meine Hand zu untersuchen, was er alles gesagt hat werde hier ich jetzt nicht näher ausbreiten, es war auf jeden Fall eine ganz besondere Ehre für mich, dass er es gemacht hat. Außerdem kann er die Palmblatt Horoskope lesen, die mich schon seit längerem sehr faszinieren und ich werde mein Palmblatt auch noch bekommen in nächster Zeit. Ich könnte jetzt noch stundenlang weitere wunderbare Details dieses Abend beschreiben, aber ich denke es reicht für diese Woche an Neuigkeiten, und über die Runde coolsten Hanseln werde ich in Zukunft ohnehin noch genug berichten.
Bis auf weiteres hoffe ich, dass ich meine Leser mit diesem Roman nicht gelangweilt habe und ihr weiterhin Lust dazu habt zu verfolgen was ich so treibe. Ich habe mir auch vorgenommen in nächster Zeit einmal ein paar Fotos von den diversen Orten und Menschen zu machen damit ihr euch alles noch besser vorstellen könnt. Bis bald, alles Liebe eure Anna


