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Sri Lanka - Anna in Sri Lanka Teil 4

Liebe Leute, wiedermal ein kleines Update.. Letzten Donnerstag war hier wie gesagt ein besonderer Feiertag der sich Vesakh nennt, es ist sozusagen das Weihnachten der Buddhisten (Geburtstag, Erleuchtungstag und Todestag von Buddha), die ganze Stadt wird mit bunten Lampions geschmückt in allen Farben und Formen, jeder bastelt seine eigenen und behängt sein Haus damit.. An diesem Abend bin ich zu erst wiedermal mit Ravi in den Tempel gegangen, wo einiges los war… also ich muss sagen mir gefällt dieses Fest viel besser als Weihnachten, ich würde viel lieber mit meiner Familie und meinen Freunden in den bunten Tempel gehen und Obst essen und ein paar Rituale durchführen.. die ganze Tempelanlage riecht herrlich schwer nach Räucherstäbchen, überall flackern kleine Flammen, Berge von Seerosen und Jasmin häufen sich vor den Buddhastatuen, die Lampions mit ihren bunten Schweifen aus Seidenpapier wehen leuchtend im Wind… es ist herrlich! Danach sind wir ungefähr eineinhalb Stunden mit Ravis Moped durch das bunt beleuchtete Colombo gedüst, so konnte ich im vorbeifahren all die tollen Lichterkunstwerke bewundern - sehr praktisch! Es war ein sehr schöner Abend..

Am nächsten Tag war ich bei Sureaya und seinem Neffen und seiner Nichte zum Essen eingeladen, die wollten mich umbedingt kennenlernen.. seine Nichte ist so alt wie ich, ihr singhalesischer Verlobte lebt und arbeitet in Italien und im Dezember wollen sie heiraten und er will sie nach Rom mitnehmen, werde sie bestimmt einmal besuchen fahren.. sie hat mich so herzlich begrüßt und für uns Abendessen gekocht und am Ende hat sie mir noch einen hübschen Schal geschenkt… da war ich einmal wieder so verblüfft über die Herzlichkeit der Menschen hier. Ich freue mich auch immer wieder sehr wenn ich neue Mädchen kennenlerne hier, eine Pause von der ständigen Männergesellschaft tut manchmal sehr gut, aber in Sri Lanka ist es eben nicht so leicht die Mädchen kennenzulernen weil die meist gutbehütet zu Hause sitzen. Was ich allerdings feststelle ist, dass die Frauen hier untereinander viel herzlicher und aufgeschlossener sind, sie sind wie Geheimgemeinschaft, wie eine Familie, keiner braucht sich für irgendetwas vor der anderen zu schämen. An diesem Tag bin ich mit Ravi mit dem Nachtbus nach Kataragama gefahren, was wie üblich eine ziemliche Tortur war, weil die Busfahrt ungefähr sieben Stunden beträgt, weil Kataragama sehr weit weg ist, am Rande des großen Yala Nationalparks. In den kaum gefederten Busen spürt man jedes Schlagloch auf der Straße und wegen der unsensiblen Fahrweise der Busfahrer wird man bei jeder Kurve wild hin und hergeschmissen, wenn man sich nicht festhält, der spärliche Schlaf weilt also immer nur einige Sekunden, bis zur nächsten Kurve. Um die Hitze und die diversen Körpergerüchen der vielen Leute zu vertreiben sind natürlich alle Fenster geöffnet, und wenn man aussteigt ist man fast überrascht, dass nach all dem Gerüttel noch alle Körperteile mehr oder weniger an der Stelle sind wo sie sein sollten und vom Gesicht kann man sich Schichtweise die Abgase abkratzen und wenn man sich die Nase putzt sieht man besser nicht nach, was danach im Taschentuch ist.. Für kurze Wegstrecken mag ich die Buse ja sehr gerne, weil man sich mitten in der Kultur fühlt, für so lange Reisen wäre ein Auto jedoch schon etwas angenehmer.. aber was solls, irgendwann schaltet man einfach auf Lethargie und geduldiges Ertragen um, weil alles andere ohnehin nichts hilft, und irgendwann, nach einer Ewigkeit hat man es dann auch überstanden. Um sieben Uhr Morgens sind wir dann in Kataragama angekommen und zum Haus von Ravis Tante gefahren, wo wir für die Tage wohnen konnten. Die Familie hat mich sehr herzlich empfangen, sie haben ein sehr schönes Haus mit großem Garten und vielen Hunden. Als erstes habe ich mich mal schlafen gelegt bis zu Mittag, dann haben wir ein köstliches singhalesisches Mittagessen bekommen.. langsam fange ich wirklich an mich daran zu gewöhnen und das Konzept dahinter zu verstehen und auch das mit den Fingern essen macht mir Spaß, es hat irgendwie etwas meditatives den Reis mit den ganzen unterschiedlichen Currys und Gemüsesorten mit den Fingern zu einer bunten Masse zu vermanschen.. es ist wie Teigkneten beim Keksebacken.

Danach sind wir ausgiebig im großen Fluss baden gegangen, der gleich neben dem Haus vorbeifließt, an einer Stelle wo viel Strömung und viele Steine sind und die Krokodile nicht hinkönnen ;-) das war sehr erfrischend, ich liebe es im Fluss zu baden.. nur die kleinen Fische die einen anknabbern und fürchterlich kitzeln waren mir nicht so ganz geheuer. An diesem Tag sind wir dann noch zu dem kleinen Tempelbereich gegangen, in dem der Mönchsfreund vom Ravi lebt, der mir meine spezielle Schutzkette seit einer Woche anmeditiert hat, jetzt habe ich den Segen von Gott Kataragama um den Hals, der gut für alle Bussisnesangelegenheit ist und vor böse gesinnten Menschen beschützt, jetzt kann mir niemand mehr etwas antun :-) ..ein sehr besonderes und sehr wertvolles Geschenk von Ravi an mich, er ist wirklich ein sehr besonderer und sehr guter Freund, ich hab ihn unglaublich gern, mit ihm erlebe ich immer die besten Dinge und lerne die interessantesten Menschen kennen. Ein weiteres Highlight auf diesem Trip war der Abend dieses Tages, wir sind mit zwei Freunden von ihm zu einem nahen Reisfeld gefahren, der Himmel war glasklar, das Mondlicht hat alles in Silber getaucht, die Sterne haben gefunkelt und wir sind barfuß über den schmalen Steg der durch das Reisfeld führt zu dem großen Felsen in der Mitte des Feldes balanciert, Ravi hat mich gewarnt aufzupassen, dass ich nicht hineinfalle, 10 Sekunden bevor er selbst hineingefallen ist :-) Auf dem großen Felsen mitten im Reisfeld, im Mondlicht, mit herrlichem Wind, barfuß über den warmen Stein hüpfend, ist mir die die Lebensfreude wiedermal mit solcher Wucht durch die Blutbahnen gerauscht… die Natur ist besser als jede Droge! Es war ein so wunderbarer, einzigartig atemberaubend schöner Moment.. die Männer haben sich zusammengesetzt und geplaudert und ich habe mich auf der höchste Stelle flach auf den Boden gelegt, mich vom Wind umstreichen lassen, bin in den Sternen versunken und habe im liegen einen kleinen selbstgebastelten Drachen fliegen lassen, den wir dort gefunden haben… ich bin so froh, dass mich solche einfachen Dinge so viel mehr glücklich machen als alle materiellen Güter dieser Welt…

Ich liebe diese Insel einfach! Ja, der Ausflug nach Kataragama hat sich auf jeden Fall ausgezahlt, jetzt bin ich wieder zurück im heißen Colombo und versuche wiedermal meinen Freizeitstress zu bewältigen.. ich darf eindeutig keine neuen Leute mehr kennenlernen, ich bin mit den Freunden die ich jetzt schon habe schon so ausgelastet, dass ich oft nicht weiß, mit wem ich zu erst etwas unternehmen soll und wie ich nebenher noch meine Bücher lesen, meine Bilder malen, meine Texte schreiben, Yoga machen und meine Vokabeln lernen soll… Und vorallem möchte ich endlich ein wenig Arbeit und einen Meditationslehrer in der Nähe finden… und gleichzeitig keinen Stress bekommen… alles zu seiner Zeit :-)
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