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China - Von Peking über Guangzhou nach Hong Kong

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Im August 2009 sowie auch im August 2010 habe ich mich auf zwei jeweils kurze Reisen nach China begeben. 2009 habe ich meine Eltern für 4 Tage nach Peking entführt und sie so mit meiner Asien-Leidenschaft angesteckt. 2010 habe ich in 7 Tagen die Größe des Landes auf meiner Reise von Peking nach Hong Kong auf dem Landweg zu spüren bekommen;-).

Bei meinem ersten Aufenthalt haben wir die ersten beiden Tage zum Sightseeing in der Millionenmetropole genutzt: der neue Sommerpalast, etwas außerhalb vom Zentrum (sehr weitläufig, aber Massen an Besuchern drängeln sich auf den Wegen), der Tian’anmen Platz (Platz des himmlischen Friedens), die verbotene Stadt, der Beihai-Park mit der weißen Flaschenpadoge und der Temple of Heaven.

   

Vorsicht, als Europäer wird man sehr leicht als Tourist erkannt und viele Leute quatschen einen sehr freundlich an, erzählen dass ein Cousin, eine Freundin, etc. in Österreich studiert und bieten einem dann meistens gegen einen kleinen „Freundschaftspreis“ eine Stadtführung oder ähnliches an. Wer eine geführte Tour machen will, soll das über sein Hotel oder die Touristeninformation organisieren lassen.

Am dritten Tag machten wir einen Tagesausflug zur Chinesischen Mauer. Es gibt derzeit 3 Abschnitte der Chinesischen Mauer, die man im Rahmen eines Tagesausfluges von Peking besichtigen kann: Badaling, der touristischstes Abschnitt, Mutianyu, der am besten erhaltene und Simatai, der steilste und ursprünglichste Abschnitt der Mauer.
 

Wir haben uns für Mutianyu entschieden und uns zu dritt ein Taxi für den ganzen Tag gemietet. Es werden auch verhältnismäßig günstige Bustouren zur großen Mauer angeboten, die allerdings sehr früh starten und wie auf einer Werbefahrt sehr viele Zwischenstopps in Jadefabriken, bei chinesischen Medizinern etc. machen. Das Taxi war zwar ein weniger teurer, für 3 Leute rentiert es sich aber schon und man genießt zeitliche Flexibilität und kann selbst über Zwischenstopps bestimmen.Viele Taxifahrer sprechen in China kein oder nur wenig Englisch, man kann aber meist im Hotel bitten, dass die Angestellten beim Verhandeln um den Preis helfen und dem Fahrer erklären wo man hin möchte.

Der Mauerabschnitt bei Mutianyu war beeindruckend. Mit einem Sessellift gelangt man auf die Mauer auf der Anhöhe hinauf. Danach heißt es Stiegen hinauf, durch die Wachtürme, Stiegen hinunter und dann wieder bergauf mit Blick auf die Wälder von China. Wir hatten ein wenig bewölktes Wetter, was allerdings nicht gestört hat und das mystische Bild der chinesischen Mauer nur verstärkt hat. Nach 3 schweißtreibenden Stunden, haben wir uns auf der Sommerrodelbahn von der Mauer hinunter einen Geschwindigkeits-Wettkampf geliefert;-)!
Auf der Rückfahrt haben wir noch um einen Stopp bei den Ming Gräbern gebeten. Darauf kann man allerdings verzichten, da es eigentlich nichts Aufregendes zu sehen gibt.

Den letzten Tag in Peking nutzen wir für intensives Shopping auf zwei der bekanntesten Märkte von Peking: dem Yashow Market und dem Silk Market. Man braucht viel Zeit, Geduld und gutes Verhandlungsgeschick, dann wird man mit vielen schönen Schnäppchen von recht guter Qualität belohnt. Wichtig: in China werden von den Händlern die Preise extrem hoch angesetzt und man kann als Faustregel sagen, dass das Produkt meist in etwa 10-15% des Anfangspreises wert ist. Somit muss man sein Erstgebot entsprechend tief ansetzen, um auf einen anständigen Preis zu kommen. Hierzu nur ein kleines Beispiel: ich wollte ein relativ einfaches Baumwoll T-Shirt kaufen, der Händler verlangte als Anfangspreis 800 Yuan (ca. 80€), im Endeffekt habe ich 2 T-Shirts für 60 Yuan (ca. 6€) gekauft. Es ist natürlich entsprechend zeit- und nervenaufreibend, jedes Mal für 15 Minuten um den Preis zu feilschen, es lohnt sich aber allemal.

 

Kulinarisch gesehen eilt China ein gewisser Ruf voraus, der wohl leider gerechtfertigt ist. In den Restaurants kann man zwar die Vorzüge und Schärfe der Sichuan Küche ausprobieren, auch Peking Ente (wenn auch die Portionen sehr klein sind) schmeckt sehr gut, an diversen Ständen gibt es Frühlingsrollen, Glasnudelsuppe und gebratene Nudeln zu kaufen.
Das Highlight der etwas anderen Art war der Night Market in Peking, den man nicht besuchen sollte, wenn man hungrig ist – der Hunger vergeht einem nämlich relativ schnell!
Dort werden unterschiedliche „Delikatessen“ angeboten: angefangen von Tintenfischen, Krebsen und Krabben über Schlangen, Seidenraupen und Tausendfüßler bis hin zu Skorpionen und Seepferdchen am Spieß kann man sich alles auf den Grill werfen lassen, ebenso wie eine Portion vom „Dog Meat Pot“ probieren. Der Geruch, der von diesen Ständen ausgeht war für meinen europäischen Geschmack dann doch ein wenig zu bestialisch und meine Neugierde, wie ein Skorpion oder ein Tausendfüßler schmeckt, hat sich ebenfalls in Grenzen gehalten.

Bei meinem zweiten Aufenthalt in China bin ich auf dem Landweg von Peking nach Hong Kong gereist, ein unvergessliches Erlebnis, das ich definitiv kein zweites Mal so machen würde .
Mein Reisekollege und ich wollten eigentlich auf dem Weg nach Hong Kong einen Zwischenstopp in Guilin machen, wo es landschaftlich sehr schön sein soll und die beeindruckende Natur eine willkommene Abwechslung zur Hektik der Großstädte darstellt.
Spontan wie wir allerdings waren, sind wir erst am Vormittag des geplanten Abreisetages aus Peking zum Bahnhof gegangen um uns Schlafwagentickets für einen Nachtzug zu kaufen. Als es dann hieß, dass es für die nächsten 3 Tage für die Züge Richtung Guilin nur mehr Stehplätze zu kaufen gäbe und wir eine 23h Fahrt nicht im Stehen verbringen wollten, haben wir uns schnell anders entschieden und nach einem Ticket nach Guangzhou gefragt. Auch hier war die erste Antwort: „Nur mehr Stehplätze!“ und wir waren schon am Überlegen ob wir nicht vielleicht doch eine ganz andere Route über Shanghai nehmen sollten, als es dann hieß, es gäbe noch 2 normale Sitzplätze, Liegewagen wäre aber bereits seit Tagen ausverkauft. Nun, das war besser als gar nichts und am Abend sind wir in den Zug nach Guangzhou eingestiegen. Es hat alleine 10 Minuten gedauert bis wir uns bis zu unseren Plätzen durchgekämpft haben, weil auf jedem freien Quadratzentimeter am Gang Leute mit Stehplatztickets herumgelungert sind. Auf einer Sitzbank, die in Österreich wohl für 2 Leute gedacht wäre, nehmen in China 3 Leute Platz, es ist eng und ungemütlich.

Die Chinesen sind ein relatives lautes Volk mit unangenehmen Manieren und ich habe bereits zu Beginn der Zugfahrt mit mir selbst ausgemacht, dass ich mich auf keinen Fall von meinem Platz wegbewegen werde. Es wäre ohnehin kein Platz gewesen um sich irgendwo die Beine zu vertreten und mich wieder für 10 Minuten durch die stehenden Leute durchzukämpfen um auf ein wahrscheinlich nicht sonderlich sehenswertes Zug-WC zu gehen, wollte ich auch nicht. Ja, das habe ich auch wirklich so durchgehalten. Die 23-stündige Zugfahrt war ein Wahnsinn. Mein Hintern hat nach 3 Stunden bereits wehgetan, ich wusste nicht wie ich mich bequemer hinsetzen sollte, schlafen konnte ich sowieso nicht und unsere Gegenüber-Nachbarn haben ständig durch unappetitliche Laute auf sich aufmerksam gemacht.

Am nächsten Tag kam dann eine schöne Überraschung: statt 23h dauerte die Zugfahrt doch „nur“ 21.5 Stunden und wir konnten es gar nicht erwarten, endlich aus dem überfüllten Zug auszusteigen. Nach knappen 22 Stunden nur Sitzen waren meine Füße so geschwollen, dass ich fast nicht mehr in meine Schuhe hineingepasst hätte.
Müde und erledigt sind wir dann in Guangzhou am Hauptbahnhof gestanden, die Hitze und Luftfeuchtigkeit waren noch schlimmer als in Peking und niemand dort konnte ein Wort Englisch und uns sagen wo wir denn die U-Bahn finden könnten. Letztendlich haben wir auch hier unseren Weg alleine gefunden und uns im Hostel sofort unter die Dusche und ein paar Stunden ins Bett begeben
Und die Moral von der Geschicht’: wer in China längere Strecken mit dem Zug fahren will, sollte sich rechtzeitig vorher um Plätze im Liegewagen kümmern;-)!

Nach 1.5 Tagen in der netten, aber nicht sonderlich spannenden Großstadt Guangzhou sind wir mit dem Bus weiter zu unserer Enddestination Hong Kong gefahren. Nach der Horror-Zugfahrt sind die 3 Stunden im Bus wie im Flug vergangen.

Hong Kong hat mich in gewisser Weise an Tokyo erinnert: lauter Hochhäuser, überall Lichter und blinkende Reklametafeln und geschäftiges Treiben überall.
Auf dem Ladies Market habe ich feststellen müssen, dass Hong Kong ein wenig anders ist als China. Hier ist die Ware an und für sich ein wenig teurer und es gibt keinen so großen Verhandlungsspielraum. Wenn man in Hong Kong mit einem Einstiegspreis von 10% vom genannten Preis zu verhandeln beginnen wollte, waren die Händler sofort beleidigt.
Abgesehen davon ist Hong Kong eine multikulturelle, freundliche und sichere Stadt.
Sehenswert ist der „Big Buddha“, allerdings muss man 5-6 Stunden dafür einplanen, da die Statue sogar hinter dem Flughafen ganz außerhalb der Stadt in den idyllischen grünen Hügeln von Lantau Island liegt, so dass man gar nicht glauben kann, dass man sich immer noch in Hong Kong befindet. Der Big Buddha ist mit seinen 34 Metern die größte im Freien stehende Buddha Statue der Welt.
Am Abend sollte man sich auf keinen Fall den Hafen in Kowloon und den Blick auf die Skyline von Hong Kong entgehen lassen und auch der Ausblick vom „Peak“ auf die Stadt in der Dämmerung ist wunderschön.

Zum Thema Verkehr noch ein paar Tipps: in allen chinesischen Großstädten kann man sich sehr einfach und günstig mit der U-Bahn fortbewegen. Das Netz ist gut ausgebaut, die Beschriftungen und Ansagen erfolgen auch in Englisch und auch das Ticket am Automaten zu kaufen ist keine Hexerei. In Peking kostet ein Single Journey Ticket 2 Yuan, damit kann man so oft umsteigen wie man möchte, erst wenn man eine Station komplett verlässt, wird das Ticket beim Schranken eingezogen. Nicht wundern: in Peking muss man bei jeder U-Bahn Station sein Gepäck wie am Flughafen scannen lassen.
In anderen Großstädten, wie Guangzhou oder Hong Kong zum Beispiel, richtet sich der Preis für das Ticket nach der Anzahl der Stationen die man fährt.
Taxis sind eine schnelle, einfache und ebenfalls recht günstige Alternative. Immer darauf achten, dass der Taxameter eingeschaltet ist.

Wer also China besuchen möchte kann sich auf eine erlebnisreiche Reise in jeglicher Hinsicht freuen.

Monika Pertl, 2010

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