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Südostasien - FRANGLE.org goes EAST

17. Sept. 2010 - unsere Vorbereitungen
Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen und morgen Samstag geht´s los. Für die nächsten zwei Monate wird der Dschungel Südostasiens für sieben FRANGLEs zum Wohnzimmer.
Im Gepäck sind neben wenigen Bekleidungsstücken, reichlich Moskitoschutz und noch viel mehr notwendig gebrauchte Dinge für Projekte in Thailand, Laos, Vietnam und auf den Philippinen. Hauptsächlich sind es Schulmaterialien, Spielzeug und Kinderbekleidung, die unsere Rucksäcke füllen.
An dieser Stelle erfahrt ihr regelmäßig wo wir uns gerade aufhalten und was wir auf unserer Reise erleben. Unser erster Stopp - Bangkok ...
19.Sept. 2010 - von Wien über Dubai nach Bangkok
I am sorry, your dresscode does not match! Das war es dann auch schon. Dann können wir eben doch keinen Drink im 51. Stock des Emirate Towers in Dubai mit Blick über die ganze Stadt genießen...
Aber fangen wir von vorne an: 18. September Wien, 22. Bezirk: Wir holen noch einige Dinge für eine Schule für aidskranke Kinder in Nordthailand ab und dann stand da noch ein Bobbycar (Tretroller). Darauf verzichten wollten wir nicht, da wir uns schon bildlich vorstellten, welchen Spaß die Kinder in der Schule damit haben könnten. Kurzerhand entschlossen wir uns neben den knapp 30 kg Spiel- und Schulsachen auch ein cooles rotes Bobbycar rund um die Erde zu transportieren. Und schon war auch der Titel unserer Reise geboren:
„Wir fahren mit dem Bobbycar nach Chiang Mai!“
Auf unserem Flug von Wien nach Bangkok hatten wir acht Stunden Aufenthalt in der Wüstenmetropole. Diese Zeit nutzten wir und fuhren mit dem Taxi in die Downtown von Dubai. Leider klappten die Söhne der Wüste um ein Uhr morgens die Gehsteige in die Höhe und so war die einzige Möglichkeit einen Drink zu bekommen, die Vu's-Bar hoch über den Dächern mit Blick auf den Burj Kalifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Nur passte unsere auf Bangkok eingestellte, legere Kleidung eben nicht 100%-ig mit den Vorstellungen des Liftboys überein. Sein Gegenvorschlag war eine skurrile japanische Karaoke-Bar im Keller des oben erwähnten Hochhauses. Ein kurzer Barrundblick inkl. Gesang
shörprobe reichte allerdings aus und nach einer buchstäblich heißen Runde in der Altstadt Deira war das Abenteuer Dubai schon wieder Geschichte.
Weiter nach Bangkok – und zwar mit dem Airbus A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt. Schon beeindruckend, wie elegant, ruhig und gemütlich dieser Koloss abhebt und gefüllt mit bis zu 660 Menschen an Bord Richtung Südostasien fliegt. Die Bar der Business Class und die Schlafkabinen und Duschen der First Class blieben uns leider verborgen.
Keine sechs Stunden später sind wir auch schon in Bangkok, dem eigentlichen Ausgangspunkt unserer Reise. Wir stehen am Gepäcksband am Airport in Bangkok und schon kommt uns das unversehrte Bobbycar entgegen. Und jetzt machen wir uns auf die Suche nach dem nagelneuen Skylink, der Schnellbahn ins Zentrum Bangkoks, der uns den sonst üblichen Stau in die Stadt ersparen wird...
22. Sept. 2010 - Bangkok und die Tempel von Ayutthaya
Ein Wirrwarr an Menschen rund um uns herum, unzählige Straßenstände voll mit Schrauben und Werkzeug, Unterhosen bis zu Taschen, Küken oder Lotterielosen feilbietenden Verkäufern, Speisen aller Art mit einer gewissen Schärfe beim ersten Probieren, Mopeds, Fahrräder, Fahrradrikschas und Tuk-Tuks in allen Farben, Größen und Lautstärken...
„Sawatika'“ meinte der geschäftstüchtige Tuk-Tuk-Fahrer zur Begrüßung mit einem kurzen „Wai“ mit vor dem Gesicht gefalteten Händen zu uns. „Hello, need a Tuk-Tuk?“Wir sind in Bangkok und fahren mit für unsere Verhältnisse zu schnellen 50 km in der Stunde mit dem TukTuk im Zickzack-Kurs den entgegenkommenden und in dieselbe Richtung fahrenden Autos ausweichend die Straßen der Hauptstadt entlang.

Für einige mag die Stadt zu schmutzig, übel riechend und laut sein, wir sehen es als tollen Einstieg für eine Thailand-Tour und stürzen uns auch sogleich ins China-Town, wo der Wholesale alles beherrscht und man beim Spazieren durch die engen Gassen mit all den Geschäften alles aber nur nicht Platzangst haben darf. Wer gerne einkauft, verfällt in der Stadt bei all den angebotenen Dingen leicht in einen Kaufrausch. Der Nightmarket jeden Tag von 18 bis 24 Uhr, das Shopping Center MBK und die Märkte auf der Petchaburi Road beim Siam Square haben es uns besonders angetan. Wir könnten dort Tage verbringen.
Aber bei einem PadThai , dem Nationalgericht der Thais (bestehend aus Nudeln, Ei, Gemüse, getrockneten Zwiebeln, Erdnüssen und Chilligewürz) und einem frisch gepressten Orangensaft im Backpacker-Viertel rund um die Khaosan Road planen wir die weitere Tour.

Bevor es ganz in den Norden des Landes nach Chiang Mai geht, machen wir noch einen Abstecher zu der nördlich von Bangkok liegenden ehemaligen Königsstadt Ayutthaya. Die Stadt ist in rund zwei Stunden mit dem Zug für ca. 40 Cent (wenn auch in der 3. Klasse, die wir aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Sitze, „Holzklasse“ nennen) zu erreichen und auf alle Fälle einen Abstecher wert. Tempelanlagen vom 13. bis zum 18. Jahrhundert reihen sich aneinander. Pagoden aus vergangenen goldenen Zeiten ragen in den Himmel, Buddhas in allen Größen sitzen und liegen eingebettet in den beeindruckenden Anlagen.Wir wollten den Tag auf dem Rad verbringen, aber wurden von unserer Hosteleigentümerin zu einem Tuk Tuk für den ganzen Tag und einer abendlichen Bootstour überredet, worüber wir dann angesichts der 35 Grad Hitze und Sonne sehr erleichtert waren. War das Hinaufsteigen der Treppen der Tempel und das herum wandern schon anstrengend genug.

Abends setzten wir uns in den Nachtzug, der uns in 12 Stunden nach Chiang Mai bringen wird. Die 2. Klasse mit Schlafwagen hat seine Vorzüge, die Sessel in den Waggons werden zur Schlafenszeit von den Zugschaffnern zu gemütlichen Stockbetten umgebaut. Leider konnten wir nur mehr Tickets für einen Platz mit Klimaanlage ergattern was sich auf den ersten Blick toll anhört aber wir kennen die Kühlschrankkälte während der Fahrt schon und sind mit Decke, Pullover, Jacken und Socken gewappnet. Und so lassen wir uns vom Rattern des Zuges in den Schlaf schaukeln....
23. September 2010 – von Ayutthaya nach Chiang Mai
We survived the coolin´ box train to Chang Mai!
Der Schlafzug war, wie erwartet, auf 17 °C gekühlt und so kamen wir nahezu schockgefroren am Morgen in Chiang Mai an. Das Aussteigen war eine wahre Wohltat und wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen.
Die Ausläufer des Taifuns, die in den letzten Wochen für schlimme Erdrutsche und Überschwemmungen sorgten, sind glücklicherweise gemeinsam mit dem Jetlag verschwunden.

Es wird Zeit unser erstes FRANGLE.org-Projekt zu besuchen.
Erst nach längerem Suchen fand unserer Taxifahrer das Haus der „Support the Children-Fountation“, wo uns Dr. Vicharn Vithayasai freundlich empfing. Er erzählte uns von seinem Projekt, das er gemeinsam mit seiner Frau bereits seit 1992 betreibt.
Inzwischen sind 450 Kinder und Jugendliche im Programm. Knapp 70 davon sind mit dem HI-Virus infiziert und werden unter ständiger ärztlicher Kontrolle therapiert. Die anderen sind durch die Auswirkungen von Aids auf deren Eltern in Schwierigkeiten geraten und werden sowohl psychologisch wie auch finanziell unterstützt. Hierbei gilt es, vor allem so der Arzt weiter, Aufklärungsarbeit zu leisten und für ein „normales“ Leben für die Kinder zu sorgen. Gerade die ländliche Bevölkerung in Thailand hat noch große Vorurteile zu Aids und so kann es leicht zu einer Ausgrenzung von selbst gesunden Kindern kommen, deren Eltern an Aids erkrankt sind bzw. daran gestorben sind.
Die Nachhaltigkeit steht bei allen Projekten im Vordergrund und so unternehmen zwei Sozialarbeiter mit den Kindern häufig Ausflüge in die umliegenden Gemeinden und Städte aber auch ans Meer in Vergnügungsparks oder in Klöster um die soziale Kompetenz der Kinder zu fördern. Die Jugendlichen gehen mit den anderen Kindern in die selben Schulen und daher findet dort auch eine enge Zusammenarbeit statt um ein fruchtbares Lernklima zu schaffen.
Das Bobby-Car ist am Ende seiner Reise angekommen
Ein großer Teil unserer Schul- und Spielsachen hat nun seinen Bestimmungsort gefunden. Auch das Bobbycar haben wir an die Organisation übergeben und es wird ab sofort in Chiang Mai ein Kind erfreuen.
Übrigens: Wir haben darauf verzichtet, die Kinder in ihrer Umgebung zu besuchen, um sie nicht zu Herzeigeobjekten zu degradieren, sondern sie lediglich über die beiden Gründer zu unterstützen und sie in ihrem normalen Leben nicht zu stören. Daher gibt es auch von den betreuten Familien wie auch von den eigenen sechs Waisenhäusern, in denen je sechs Kinder in familiärer Umgebung leben, keine Fotos.
Das Projekt in Zahlen und Fakten:
- 450 Kinder werden insgesamt betreut
- ca. 70 davon sind mit dem HI-Virus infiziert und unter ständiger ärztlicher Kontrolle
- Das Projekt verfügt über 6 eigene familiär geführte Waisenhäuser
- 380 Kinder sind bei ihren bzw. bei neuen Familien untergebracht
- 2 Sozialarbeiter kümmern sich ständig um alle Kinder direkt in den Gemeinden und Schulen
- In jedem der Häuser sind 6 Betreuer für die Kinder zuständig
- finanzielle Unterstützung von Familien
- Kauf von Medikamenten um 2 Mio Baht (ca. EUR 50.000,-) / Jahr
- Bezahlung von Schulgeld, Kauf von Schuluniformen und Lunch für die Kinder
- Familien bekommen Kleinkredite bis 3.000 Baht (ca. EUR 70,-) um ein eigenes Geschäft zu gründen
- Jugendliche arbeiten selbst später bei Projekten mit um die eigene Unterstützung an andere zurück zu geben...
Danke an Rico für das Bobbycar, Familie Priesch für die vielen Schul- und Spielsachen und Sebastian von Sagem Communications für Kapperl und Kugelschreiber. Es ist alles gut angekommen!
Wenn ihr mehr über das Projekt wissen oder es selbst besuchen möchtet, hier findet ihr nähere Infos >>
25. September 2010 Rafting und Elephantentrekking
„You have about twenty minutes...“
Diesen gefürchteten Satz erwarteten wir bereits als wir bei der ersten Station unseres Tagesausfluges aus dem Minivan stiegen.
Zwei Tage verbrachten wir in Chiang Mai, wobei wir die Stadt bereits am ersten Tag erkundet hatten. Da wir den zweiten Tag nicht auch noch in der drückend heißen Stadt auf den verschiedenen Märkten verbringen wollten buchten wir eine Tagestour zu verschiedenen Attraktionen in der Umgebung. Eigentlich sind diese „durch-und-durch-organisierten“ Touristenausflüge nicht unser Fall, aber bei einem Preis von gerade mal 12,- Euro kann man nicht viel falsch machen.
Nach einer recht stürmischen Fahrt durch den Morgenverkehr von Chiang Mai steuerten wir auf eine Schmetterlings- und Orchideenfarm zu. Naja, Schmetterlinge und Orchideen gab es zu bestaunen und nach besagten 20 Minuten ging es eben wieder weiter. Zugegeben, es waren einige tolle Schmetterlinge dabei, die es in der Heimat in dieser Farbenpracht und Größe nicht gibt!
Anschließend ging es in den Berge, die um Chiang Mai liegen. Bei einer Bambusfloßfahrt auf einem gemächlichen Fluss konnte man die idyllische Umgebung genießen und einen ersten Blick in den Regenwald werfen. Der nächste Stopp war der Ritt auf einem Elefanten. Auf dem Weg dorthin hatten wir Zweifel, ob die Tiere wohl Art gerecht gehalten werden. Bei der Ankunft stellten wir fest, dass es keine Zirkuselefanten waren, sondern ihnen nahezu ein richtiges Reservat zur Verfügung steht, wo sie sich außerhalb ihres Dienstes frei bewegen konnten! In freier Wildbahn wären sie wohl gejagt und längst getötet worden!
Mit einem Guide ging es erst am Rücken dieser grauen Riesen den Fluss entlang durch den Regenwald. Dabei waren doch recht beachtliche Steigungen, Hindernisse und Bachläufe zu bewältigen! Beim Rückweg tauschten wir dann den Platz mit dem Guide und so konnten wir auf den Schultern der Elefanten Platz nehmen – ein seltsames aber umso beeindruckenderes Erlebnis.

Nach einem Mittagessen wo natürlich das Nationalgericht PadThai serviert wurde, ging es tiefer in den Regenwald hinein. Mit der unglaublich schönen Landschaft konnte die Straße nicht mithalten. Die Regenzeit und die Ausläufer eines Taifuns hatten ihre Spuren hinterlassen. Das war auch der Grund warum wir die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurücklegen mussten, wo wir schließlich das Highlight unserer Tagestour erreichten – das Rafting.

Nach kurzer aber ausreichender Einweisung ging es dann mitsamt dem Boot über die Böschung ins angenehm warme Wasser und nach einigen Metern schluckten uns auch schon die ersten Wellen! Patschnass, wie es sich gehört, ging es dann den Fluss mal schnellerem, mal mit gemütlicherem Tempo abwärts und die letzten paar hundert Meter legten wir ohne Boot einfach nur im Fluss treibend zurück – nicht spektakulär aber umso lustiger!
Zwecks weiterer Erfrischung an diesem heißen Tag badeten wir danach noch an einem idyllischen Wasserfall in der Nähe eines Akha-Dorfes, einem Thailändischen Bergvolk.
Zurück in Chiang Mai ließen wir den Tag mit traditionellen, teils sehr scharfen Gerichten, frisch gepressten Fruchtsäften und Rotí, einer leckeren Süßspeise unseren Palatschinken nicht unähnlich, ausklingen.
26. September 2010 - zwei Tage am Mekong
Unser Boot schlängelt sich gemächlich den Fluss entlang durch bewaldete Karstgebirge. Ungefähr 120 Personen, davon ein Großteil Laoten, tummeln sich mittlerweile dicht gedrängt auf Holzbänken, Bodenmatten, Säcken und Kisten sitzend. Holzbehältnisse und Bambuskäfige mit Hühnern haben auf dem Dach Platz gefunden. Einige Laoten spielen im vorderen Bereich des Bootes am Boden sitzend Karten.

Eine alte Frau nagt genüsslich an ihrem Klebreis mit Hühnchen und frischen aus den Waben gekletzelten Larven. Alle paar Stunden legen wir bei einem kleinen Dorf mitten im Regenwald mit auf Stelzen gebauten Bambushäusern an und laden Menschen, Kisten, Tiere, Mopeds und Lebensmittel aus und ein.

Wir sind nach einer abenteuerlichen Busfahrt von Chiang Mai in Thailand zur laotischen Grenze, dem „Gate to Indochina“, einer Übernachtung im laotischen Grenzort Houay Xai auf dem Mekong gelandet. Zwei Tage brauchen wir mit dem Boot, um zur nächsten Stadt Luang Prabang zu gelangen.

28.Sept. 2010 - Luang Prabang, Laos:
Unser Besuch bei Deak Kum Pa
Ziel unserer FRANGLE-Reise ist es ja vor allem, einige unserer gelisteten Projekte vor Ort zu besuchen und persönlich kennen zu lernen. Infos und Fotos per E-Mail zugeschickt zu bekommen oder Erzählungen zu hören, sind eine Sache, aber dann mitten in einer Schule oder einem Waisenhaus zu stehen, all die Kinder um sich herum zu haben, eine ganz andere. Deak Kum Pa ist ein Heim für Waisen bei Luang Prabang in Laos, dass wir heute besucht haben. Es war ein beeindruckender Ausflug, der uns großen Spaß gemacht und wieder einmal vermittelt hat, auch wenn nur Kleinigkeiten vorbeigebracht werden, dass dies für das Projekt vor Ort trotzdem sehr wertvoll ist.

Andrew Brown, ein Australier und Hotelbetreiber der Lotus Villa in Luang Prabang, kümmert sich seit zwei Jahren um das Kinderheim, das vom Staat Laos zu wenig Unterstützung erhält um selbständig unter lebenswerten Bedingungen bestehen zu können.
Wir sind mit Rädern vom Zentrum Luang Prabangs - einem Ort, dessen Besuch für Laos-Reisende aufgrund der tollen Kolonialatmosphäre mitten am Mekong auf alle Fälle lohnt - in das rund 10 Minuten entfernte Dorf aufgebrochen.

Ein Tipp von uns: Wer von euch irgendwann nach Laos kommt, das Waisenhaus ist sehr einfach zu finden aber holt euch doch in der Lotus Villa im Zentrum Luang Prabangs die Adresse in laotischer Schrift, so könnt ihr unterwegs immer wieder einfach nach dem weiteren Weg fragen, so wie wir das gemacht haben oder einem Tuk-Tuk Fahrer den Zettel mit der Adresse übergeben.
Auf dem Weg haben wir in einem lokalen Laden Zahnpasta, Zahnbürsten und Seife gekauft. (Vielen Dank an Oma Jantscher für diese Unterstützung). Den von Österreich mitgebrachten Rollkoffer mit Schreibmaterialien, Malfarben und Spielsachen schnallten wir hinten auf ein Rad. Und so ging es bei rund 30 Grad und prallen Sonnenschein mit unseren Rädern in Richtung des Waisenheims. Die Adresse war schnell gefunden. Über eine kleine Brücke und vorbei an einer öffentlichen Schule ging es hinein in ein beeindruckendes, grünes Areal mit einem kleinen Empfangsoffice und einer großen Wiese mit darum herum gebauten Schlafsälen, getrennt für Mädchen und Buben, einer Küche, den Toiletten und Waschbassin sowie zwei Klassenzimmern.

Rund 550 Kinder wohnen hier. Man stellt sich so ein Heim vielleicht ein wenig bedrückend und traurig vor aber das war es ganz und gar nicht. Wir kamen genau richtig zur Essensausgabe zu Mittag. Ein Bienenschwarm an Kindern drängte sich um die aufstellten Töpfe mit Suppe und den Bastsäcken voll mit dem hier in Laos typischen Klebreis. Es herrschte ein Riesenwirbel. Jeder schnappte sich sein Essen und lief damit zurück zu seinem Bereich in einem der Schlafsäle, wo dann gemeinsam gegessen wurde. Speisesaal gibt es keinen. Die Schlafräume bestehen aus alten Holzstockbetten, die dicht gedrängt aneinander stehen. Die Kinder schlafen auf einfachen Bastmatten. Hinter jedem Bett ist ein Sack mit den persönlichen Dingen der Kinder verstaut.
Andrew zeigte uns die Baustelle eines neuen Schlafsaals, der gerade gebaut wird um den Kindern ein wenig mehr Raum zu geben. „Aber sicher werden dann auch neue Kinder im Heim aufgenommen werden“, so meinte er.
Die Kinder fühlen sich hier wohl, bekommen zwei Mahlzeiten am Tag, werden unterrichtet und medizinisch versorgt und haben Freunde und eine neue große Familie gefunden. Alles wirkt sehr einfach, wir sahen nirgendwo Spielsachen, die Klassenzimmer bestehen aus einfachen alten Tischen und Bänken und einer Tafel. Gekocht wird in der Küche an einer Feuerstelle, zwei Frauen bereiten am Steinboden sitzend Gemüse und Fleisch für eine Suppe vor.

Wir haben mit Andrew auch über das Thema Nachhaltigkeit gesprochen. Natürlich sollen die Kinder nachhaltig unterstützt und gefördert werden, aber in erster Linie geht es zuerst darum, den Kindern ein Dach über den Kopf und zu essen zu geben. Das sind Dinge, die sie vorher nicht hatten. Es gab auch kein sauberes Wasser, die Toiletten waren in einem miserablen Zustand und von nahrhafter Ernährung war keine Rede. Jetzt bekommen sie regelmäßig auch Fleisch zu essen, können zum Arzt gehen, eine Schule besuchen und werden umsorgt. Und so sind auch wir zum Schluss gekommen, erst wenn die Grundversorgung geschaffen ist, kann über weitere nachhaltige Schritte nachgedacht werden. Es gibt für dieses Waisenheim viele Plaene...
Unser Eindruck war, den Kindern geht es gut hier. Die Situation ist nie mit unserem Lebensstandard zu vergleichen, wir täten uns schwer, auf Bastmatten zu schlafen, uns jeden Tag mit kaltem Wasser zu waschen und so wenig eigenen persönlichen Platz zu haben aber für die Kinder ist das und vieles andere normal und sie sind glücklich hier. Damit hat auch sicher der hier in Laos verbreitete Buddhismus mit der Lebenseinstellung, damit zufrieden zu sein, was man hat, viel zu tun.

Es war ein toller Besuch mit vielen Eindrücken, Andrew versicherte uns, er freut sich über alles, was vorbeigebracht wird; ob warme Kleidung, Seife, Unterwäsche für Kinder, oder Lebensmittel, alles wird gebraucht und gerne angenommen. Auch Volontäre sind herzlich willkommen.
Wer mehr wissen möchte, hier geht es zum Projekt.
29. Sept. 2010 - Bücherboote am Mekong
Wir sind in Luang Prabang auf ein weiteres, spannendes Projekt gestoßen. In der örtlichen kleinen Bücherei gibt es die Möglichkeit, für wenig Geld Bücher zu kaufen, die dann für zwei sogenannte Bücherboote verwendet werden. Für viele Menschen der ländlichen Region in Laos sind Bücher Luxusartikel und nicht vorhanden. Selbst in Schulen gibt es oft keine Lehrbücher. Ein Bücherboot fährt regelmäßig den Mekong und den im Norden Thailands gelegenen Ou-Fluss entlang, legt bei verschiedenen Dörfern an und bringt Bücher mit. So wird das Lesen und Bildung in den entlegeneren Dörfern gefördert.

Selbst gebrauchte Kleidung kann bei der Bücherei vorbeigebracht werden und wird in die Dörfer gebracht. Wir konnten das Projekt mit dem Kauf von mehr als 30 Büchern unterstützen (herzlichen Dank an Betting Pugl hierfür) und würden uns freuen, wenn auch andere Traveller bei der Bücherei vorbeikommen. Die Kosten für ein Buch betragen 2 Dollar oder 20.000 Kip. Hier kommt ihr zum Projekt >>

30. September von Luang Prabang über Vang Vieng nach Vientiane
Laos gibt es eine frühmorgendliche Zeremonie, bei der Mönche aller Wats eines Dorfes nach Sonnenaufgang die Straßen entlang marschieren und um Essensspenden bitten. Große Schalen auf Lederriemen hängen an ihren Schultern. Sie wandern in einer langen Reihe die Straßen entlang und danken für die Speisen (hauptsächlich Klebreis) der auf den Gehsteigen hockenden Einwohner.

Die nächste Etappe unserer Reise ging per klapprigem Minibus mit kaputten Stoßdämpfern rund sieben Stunden über eine beeindruckende Bergstraße.in das kleine Städtchen Vang Vieng. Die Rucksäcke waren auf dem Dach angebracht, was sich bei dem auf halber Fahrt aufkommenden Monsunregen als ungünstig erwies.
Das unter Backpackern sehr bekannte Vang Vieng ist umgeben von einer tollen Bergkulisse und Reisfeldern und liegt direkt an einem Fluss. Über eine Holzbrücke gelangt man auf eine kleine Insel. Für alle Adventure- und Sportbegeisterten ist die kleine Stadt ein Muss, auch wenn die Alkoholangebote „buy 4 beers get 1 t-shirt for free“ doch abschrecken. Organisiert werden Kletter-, Rafting-, Kayaking-, Caving- und Tubing-Ausflüge aller Art. Unser Trekking-Ausflug mit Guide kristallisierte sich eher als gemütlicher Spaziergang heraus aber von den drei Höhlen, die wir dabei besichtigten, erkletterten und durchschwammen(!),waren wir begeistert. Höhlen kannten wir auch von früher schon viele aber durch keine sind wir so wie hier an einem See durch einen kleinen Spalt in das Höhleninnere geschwommen und dann weiter durch Wasser, Gestein, Schlamm und Sand teilweise auf allen vieren über sandigen bis schlammigen Untergrund gerobbt, durch schmale Felsspalten hindurch geklettert, einen unterirdischen Fluss bis zu den Schultern durchwatet...Wir waren begeistert! Wie wir später auch erfuhren, war die rund 2m lange Schlange, die wir in einer anderen Höhle nicht weit von uns entfernt gesehen hatten, eine Kobra, was die Gruppe nach uns veranlasste, nicht weiter in die Höhle vorzudringen.

Am selben Tag ging es dann weiter in die Hauptstadt des Landes, nach Vientiane. Wer nicht unbedingt dort vorbei muss, sollte es lassen. Außer großteils hässlicher Architektur, heruntergekommenen aber überteuerten Hotels und einer großen Baustelle entlang des Mekongs und Grenze zu Thailand hat die Stadt nicht viel zu bieten. Angebotsschilder für Ticketverkäufe für Busse, Flüge und Züge in andere Städte und angrenzende Länder verraten, dass die Stadt für die meisten nur als Bahnhof für die Reise in schönere Gegenden dient.
2. Okt. 2010 Wir sind in Vietnam angekommen
Hanoi, die Hauptstadt Vietnams, ist der pulsierende Nerv im Norden des Landes. Von Sonnenaufgang an dominiert der Verkehrslärm und das Getümmel auf den Straßen. Hanoi ist laut und stickig, schmutzig und beklemmend – aber die Stadt mit Ihren vielen Seen und dem charmanten Französischen Viertel hat auch viel Flair und Ausstrahlung. Am Besten schläft man in einer ruhigeren Nebenstraße im Old Quarter. Von hier aus sind wir in der Nähe der unzähligen Geschäfte und Verkaufsstände. Aber auch die meisten Cafés und Bars sowie unzählige Straßenrestaurants sind in Gehweite.

Wir hatten besonderes Glück, da wir mitten in die 1000-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt geraten sind. Am Abend verwandelte sich die Gegend um den Hoan Kiem-See in eine Fußgängerzone mit vielen Bühnen und Shows und ca. 1 Million Menschen auf der Straße. Von traditionellem Tanz und Schauspiel bis hin zu pompöser Musik und Akrobatikvorführungen zeigte sich der Realsozialismus von seiner besten und buntesten Seite. Und nahezu jeder hier feiert mit und bezeugt mit den „I love Ha Noi-T-Shirts“ dass die Stadt ruhig noch einige Jahrtausende stehen kann.

5. Okt. 2010 - Auf James Bonds Spuren in die Ha Long-Bucht
Wer kennt sie nicht die unglaublichen Bilderr der Ha Long-Bucht. Schon James Bond drehte hier in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ mit einer Dschunke seine Runden und jagte Bösewicht Scaramanga, alias Christopher Lee. Und nicht umsonst gehören die 2000 Felsen seit 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe.
Wir haben den unkonventionellen Weg mit den öffentlichen Bussen und dem Slowboat über die Stadt Hai Phong zur Hauptinsel Cat Ba genommen und erst am nächsten Tag die Entdeckung der Insel in Angriff genommen. Als Alternative gibt es auch direkt geführte Touren von Hanoi aus, die eine Übernachtung auf einer Dschunke beinhalten. Jedes Hotel und unzählige Sinh Cafés (Reisebüros) in Hanoi bieten diese Touren an. Ab € 40,- bis € 300,- für drei Tage sind alle Komfortstufen zu buchen. Am besten ein wenig herumfragen.

Wir haben einen Eintagestrip von Cat Ba aus gemacht, der nahezu die selbe Route nimmt und auch eine beeindruckende Höhle, die Boat People und die Monkey-Island besucht. James Bond ist uns zwar nicht begegnet, aber die Ha Long-Bucht ist auf alle Fälle ein Must-See wenn man in der Gegend von Hanoi ist. Und dann ging es wieder zurück in die Hauptstadt zur 1000-Jahr-Feier Hanois...

7. Okt. 2010 Non-Profit Restaurants mit sozialem Backround – wir haben zwei Projekte in Hanoi besucht
Wer Hanoi kennt, der weiß, alle paar Stunden benötigt jeder eine kurze Pause von all dem Mopedgehupe, Verkehr, den vielen Menschen, den unzähligen Verkaufsständen und dem allgemeinen nie endenden Chaos der Stadt. Es gibt zwei Café-Restaurants, die ihr besuchen und damit gleich auch einfach Gutes tun und deren Arbeit unterstützen könnt.
„Smile Restaurant“ und „Café Koto“ sind Non-Profit-Ausbildungsstätten für benachteiligte Jugendliche,die dort die
Möglichkeit bekommen, eine kostenlose Restaurantausbildung zu absolvieren.
Viele der Jugendlichen sind Waisen ohne besonders gute Zukunftsaussichten. Mit der ein- bis zweijährigen Ausbildung können sie ihr Leben positiv verändern. Die Unterkunft während der Zeit wird ebenso kostenlos im angrenzenden Wohnhaus der Schule zur Verfügung gestellt wie der Unterricht im Kochen, Service und Bartraining, In den Restaurants lernen sie die Praxisseite kennen und können Gelerntes umsetzen.
Wir haben uns die Projekte vor Ort näher angesehen. Die Schüler sind für unsere Verhältnisse noch ein wenig „wackelig“, ihr Englisch ist noch im Anfangsstadium aber sie wirken überaus freundlich und motiviert. Man merkt, es
macht ihnen
Spaß. Yan, der Manager des Smile Restaurants, unterrichtet selbst auch an der Schule und ist sogar TV-Koch im lokalen vietnamesischen Fernsehen, wie wir in unserem Gespräch herausgefunden haben.
Wir durften auch einen Blick in die Küche werfen -viele weiße Mützen, hektisches Treiben, und eine überaus sympathische und hochmotivierte Küchenlehrerin gab den Ton an. Das Essen und Getränke waren wirklich gut, die Preise sind ein wenig höher als in anderen Cafés, es kommt allerdings alles dem Projekt zu Gute. Tolle Projekte, die es lohnen, kurz auf ein Getränk vorbeizuschauen!

20. Okt. 2010 Malaysia - Fisch ohne Kopf und ein Affentheater am Strand
„Do you have a fillet of fish? Nach einem ratlosen Blick: „A fish without head, eyes...“
Ah, yes we have. No problem. Which one do you want?, meinte sie und zeigt auf die Platte mit den vorbereiteten frischen Fischen“ Ganz egal, antwortete ich."This one OR that one, please“.
Als die Kellnerin dann wenig später in einem kleinen Einheimischenlokal auf Pulau Pangkor, einer Insel an der Westküste Malaysias, mit dem Essen kam, schauten mir auf einem Teller vier große runde Augen entgegen – die Augen von zwei Fischen (die ich entweder/oder bestellt hatte) inklusive ihren Köpfen, Gräten und allem was sonst noch dazugehört. Wieder einmal ist meine Bestellung anders angekommen als gemeint, was uns in Südost-Asien schon so oft passiert ist.;-)
FRANGLE.org ist mittlerweile auf einem kurzen Zwischenstopp in Malaysia gelandet.

Die Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur erinnert beim ersten Entdeckungsrundgang sehr an Dubai mit den unzähligen futuristischen Wolkenkratzern, peinlichst gepflegten Park- und Straßenanlagen, amerikanischen Fastfood-Ketten und den in Tüchern gehüllten Frauen. Malaysia ist ein muslimisches Land, auch wenn die Hauptstadt international geprägt ist. Geschäftsleute aus aller Welt, darunter sehr viele Inder, arbeiten hier.
Ruhiger wird es auf den unzähligen Inseln nicht weit von den Küsten des Landes entfernt. Und so bin ich in einem kleinen Restaurant direkt am Wasser, die Füße im Sand und versuche meine beiden mir mit großen Augen entgegenschauenden Fische auseinander zu nehmen...
Wer nur einen kurzen Zwischenstopp in Kuala Lumpur einlegt – der Flughafen ist Drehscheibe für ganz Südostasien und Hub der Fluglinie AirAsia - dem sei nach ein bis zwei Tagen Großstadt ein kurzer Abstecher auf die Insel Pulau Pangkor, an die Westküste empfohlen. Die Insel ist noch ein Geheimtipp, vor allem Einheimische verbringen hier ihre Wochenenden. Der Bus fährt vom recht abenteuerlichen aber „zu meisternden“ Hauptbusbahnhof in Kuala Lumpur weg rund 3,5 Stunden bis in die Küstenstadt Lumut. (Preis ca. EUR 6,-) Von dort setzt alle 20 min eine Fähre zur Insel hinüber. Der schönste Strand ist eindeutig Coral Bay bei Teluk Nipah. Die freilaufenden Äffchen hier lassen auch nicht lange auf sich warten und so wurden auch meine beiden mitgebrachten Bananen bald gestohlen aber zumindest die Fotokamera ließen sie mir. Ein paar Strandtage lassen sich auf der Insel herrlich verbringen bevor es wieder in den Trubel der Großstadt zurückgeht.

23. Okt. 2010 Unser Besuch bei Yayasan Sunbeams Home in Kuala Lumpur
Zwei Betreuerinnen schneiden Gemüse in der Küche und bereiten das Abendessen vor, Buben spielen Fußball im Vorhof
des Hauses, einige Mädchen sortieren Wäsche, fünf Kinder im Volksschulalter sitzen an einem Tisch und malen – ein ganz normaler Tag in einem Waisenheim in Kuala Lumpur.
Wir haben heute unser Projekt „Yayasan Sunbeams Home“ besucht und mit Helen, einer Betreuerin vor Ort, über ihre Arbeit gesprochen. „Wir haben hier momentan 60 Kinder im Alter von 1 bis 22 Jahren, um die wir uns kümmern. Arbeit gibt es genug hier.“ Die Kinder kommen aus der Hauptstadt und Umgebung. Viele sind ohne Eltern, andere haben nur noch einen Elternteil, der sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr um das Kind kümmern konnte.

Neben dem Waisenhaus wird auch ein Day Care Center betreut. Eltern können ihre Kinder dort unter Tags unterbringen, während sie den Lebensunterhalt verdienen.
Pastor Alvin Tan und seine Frau Lucy haben vor rund 16 Jahren zu Beginn ihrer Pensionierung - sie waren beide Lehrer - begonnen, dieses Heim zu errichten. Die ersten beiden Kinder waren zwei Halbbrüder von 7 Jahren und 18 Monaten. Das Heim finanziert sich ausschließlich aus privater Unterstützung.
Pastor Alvin und seine Frau bitten ausdrücklich auch um Sachspenden und listen auf ihrer Website genau auf, was sie benötigen. Angefangen von verschiedensten Lebensmitteln über Medikamente bis hin zu Pölstern, Kissen, Seife, Haarshampoo, Putzmittel oder Kopierpapier und Schreibhefte, alles was vorbeigebracht wird, wird auch dankbar verwendet.
Wir konnten heute einen kleinen Beitrag zur beeindruckenden Arbeit hier im Heim leisten und haben Multivitamintabletten, Hustensaft, Verbandszeug (vielen Dank an Manuela Divjak für die Unterstützung) sowie gebrauchte Kleidung, Seife, Zahnbürsten und Zahnpasta vorbeigebracht.
„Please tell all your friends about our work here. We need every support we can get and appreciate any help.“, meinte Helen zum Abschied.
Hier kommt ihr zu unserem Projekt: Yayasan Sunbeams Home Kuala Lumpur >>
26. Okt. 2010 FRANGLE.org auf den Philippinen – Manila und die Reisterrassen bei Banaue
Unsere Runde hat sich auf fünf FRANGLEs vergrößert und ist auf den Philippinen gelandet. Was Manila, die Hauptstadt,
angeht, ist unsere Meinung recht gespalten. Einerseits spürt man hier noch das tolle koloniale Flair der Spanier, die vor vielen Jahren hier waren. Viele Straßen sind gesäumt von Häusern im Kolonialstil, deren früherer Prunk sich noch erahnen lässt, Intramuros, der alte Kern der Stadt, ist von dicken Stadtmauern umgeben und dem Fort Santiago bewacht und auch die Sprache der Filipinos lässt spanischen Einfluss erahnen. Bedrückend sind die unzähligen Slumgebiete, heruntergekommenen Straßen, der Müll und die vielen bettelnden Kinder, die uns ungeniert am Arm zupfen um auf sich aufmerksam zu machen.
Wir werden später auch noch ein Hilfsprojekt in Manila besuchen aber zunächst geht es in die Berge zu den berühmten Reisterrassen bei Banaue, die auch zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurden.
Die Fahrt dorthin hat wenig Luxus zu bieten. Mit einem rostigen alten Bus geht es mitten in der Nacht 9 Stunden lang, es sind insgesamt 350 km – dementsprechend kurvenreich und im schlechten Zustand sind die Straßen, und einer Kühlschranktemperatur, die alles und jeden trotz vorgesorgter warmer Kleidung fast erfrieren lässt, in Richtung Norden. Kondenswasser von der Klimaanlage des Busses tropft in regelmäßigen Tropfen vom Dach auf uns herab. Wir sind eingemummt, zittern vor Kälte und sind wütend auf den Busfahrer, der unser Kälteproblem, wie das aller anderen Passagiere überhaupt nicht versteht. „It's cold because we are on the top of the mountain“. Dass die Klimaanlage bläst, lässt ihn kalt.
Es gibt nur ein kurzes Entkommen in die Wärme nach draußen in den kurzen Pausen, in denen der Busfahrer alle zwei Stunden mit Taschenlampe bewaffnet die Radmuttern des Busses nachzieht. Ob das ein gutes Zeichen ist?

Aber als wir ankommen, wissen wir, die Fahrt hat sich gelohnt. Riesige Reisterrassen liegen um uns herum. Wir sind überwältigt von den Farben und der unglaublichen Landschaft.
Viele Straßen in der Umgebung sind aufgrund des Taifuns, der letzte Woche über das Gebiet gefegt ist, zerstört und von Schlammlawinen blockiert. Es gibt daher keine öffentlichen Verkehrsmittel. Wir mieten uns daher einen Jeepney und brechen zu weiteren Reisterrassen in der Umgebung nach Hapao auf. Die Fahrt über Schlammstraßen und Geröll ist ein Erlebnis für sich und was wir dann an Landschaft erblicken ebenso...
28.Okt. 2010 Wahlparty und Noahs Arche in Banaue/Philippinen
Rund 50 Personen, darunter viele Kinder, sitzen dicht gedrängt auf kleinen Schemeln und Holzbänken und sonstigen zu Sitzen umfunktionierten Materialien oder hocken am Boden unter einer Plane vor einem kleinen Häuschen aus Holz und Wellblech. In einer riesigen Pfanne brutzelt Schweine-Fleisch. Ansprachen werden gehalten, es wird gelacht und getratscht.
Wir sind bei unserer Wanderung durch die Reisfelder zufällig zu einer Wahlparty gestoßen und wurden spontan eingeladen, uns dazu zu setzen und mit zu feiern. Am Vortag fand die Wahl zu neuen Bezirksvorstehern statt. Den vielen Wahlplakaten auf den Straßen und Hausmauern nach, ließ wohl jede Familie hier einen Kandidaten aufstellen. Die Leute freuen sich sichtlich über unseren Besuch, wollen alles mögliche über uns wissen. Ein Großteil hier spricht sehr gutes Englisch. Ein alter Mann meinte: „Nein, er sei nicht zur Schule gegangen aber er hätte Englisch von einem Freund gelernt.“ Wir sind beeindruckt.

Wir erfahren viel von den Leuten, kommen mit vielen ins Gespräch. Die Familien hier haben viele Kinder, 7 bis 10 sind kein Einzelfall. Ein Durchschnittslohn, z.B. als Holzschnitzer bedeutet 130 Pesos (ca. 2,5 EUR) pro Tag für Frauen und 250 Pesos (ca. 4,5 EUR) für Männer. „Aber das Leben ist günstig in den Reisterrassen. Das Holz zum Heizen ist gratis, die Heilkräuter für Medizin sind kostenlos, Gemüse wird angebaut und die gute Luft kostet ebenso nichts“, meinte eine Frau, die direkt in einem kleinen bescheidenen Häuschen angrenzend an Reisfelder lebt. Das Haus ihrer Großmutter wurde bei der letzten Schlammlawine nicht weit von uns entfernt mitgerissen aber das ist nicht so schlimm, so lange ihr nichts passiert ist, meint sie. Habseligkeiten gibt es wenige. Reisfeld hätte ihre Familie selbst keines. Nur die ältesten zwei Kinder erben von den Eltern, der Rest geht leer aus. Das sei ganz normal.

Wir wurden zur Feier des Tages auch aufgefordert, eine kleine Rede für alle Anwesenden zu halten. Karin hat das spontan toll mit anschließenden großen Applaus hin bekommen. Gastfreundschaft spürt man in diesem Land mehr als anderswo.
Wer auf die Philippinen kommt, für den ist die Gegend bei Nordluzon mit den beeindruckenden Reisterrassen rund um den Ort Banaue ein Muss. Es gibt direkt im Ort auf einer kleinen Anhöhe ein auffälliges größeres Haus: Noah's Arch – ein Heim für Waisenkinder, das von einem Amerikaner geführt wird. Wenn ihr dort seid, vielleicht habt ihr Lust, kurz vorbei zu schauen. Kleidung und Lebensmittel werden immer gebraucht und die Kinder freuen sich bestimmt über euren Besuch. Fragt einfach im Ort nach „Noah's Arch“ nach.
29.Okt. 2010 Sagada
Särge an Felsen angebracht: Das ist die Attraktion von Sagada, einem kleinen Ort in den Bergen auf 1.500 m Höhe. Von Banaue brechen wir per Jeepney dorthin auf. Es sind nur rund 30 km aber insgesamt brauchen wir mit einem Buswechsel fast vier Stunden – die Straße dorthin ist atemberaubend, hinsichtlich Landschaft aber auch aufgrund des Sichtwinkel unseres Gefährts – direkt in den Abgrund.

Ein Brauch in Sagada war es und ist es teilweise immer noch, die Toten in Särgen auf Felsen angebracht zu begraben. Weitere Särge findet man in verschiedenen Höhlen im Umkreis des Ortes. Manche Höhlen beherbergen bis zu 100 Särge, die ältesten davon sind bis zu 500 Jahre alt. Wer auch heute noch in einer Höhle begraben werden möchte, für den ist das eine teure Angelegenheit: Die Götter verlangen für dieses Privileg mehr als 20 Schweine und dreimal so viele Hühner Eine gruselige Geschichte, diese Plätze zu besuchen.
31. Okt. 2010 Bohol-Island
Nach 13 Stunden Busfahrt von Sagada sind wir wieder in Manila angelangt und fliegen mit ZestAir auf unseren ersten Inselstopp nach Bohol Island. Wer kennt Toby, den kleinen Gnom von Harry Potter? Auf Bohol trifft man auf seine Familie: winzige Äffchen-ähnliche Primaten mit riesigen Augen, einem flauschigen Fell und ungewöhnlich langen Fingern. Diese „Tarsier“ können ihre Ohren in Richtung Geräuschen bewegen und drehen ihren Kopf bis zu 360 Grad.
Ungewöhnlich auf der Insel sind die sogenannten „Chocolate Hills“, rund tausend 50-60 Meter hohe braune, unbewachsene Hügel.
Wir verbringen nur zwei Tage auf Bohol, unser großes Ziel ist die Insel Palawan.

10. Nov. 2010 Palawan-Island
Die Insel Palawan ist die westlichste des philippinischen Archipels und zählt zu den urtümlichsten Naturparadiesen des Landes. Strom gibt es oft nur abends von 18 bis 22 Uhr, das Duschwasser ist kalt, Früchte und Lebensmittel gibt es je nach Lieferung oder Nichtlieferung auf die Insel, die Straßen sind oft nicht asphaltiert und in schlechtem Zustand, dementsprechend langwierig gestalten sich manchmal die zurückgelegten Wegstrecken. Belohnt wird man mit einer unglaublichen Landschaft, weiten Reisfeldern, Stränden mit weißem Sand, Palmenbuchten, türkisblaues Wasser und und Menschen, die Touristen noch mit einem freundlichen Lächeln begegnen.

Wir waren mit dem Bus von Puerto Princesa über den kleinen Fischerort Sabang bis zum Ausgangspunkt des Inselarchipels bei El Nido unterwegs. Gezählte 45 Personen, inklusive Kindern, Hühnern, Säcken, Kisten wurden in den Bus gesetzt und geladen sowie am Dach untergebracht. Rund 20 Personen hätten bei uns in Österreich in en Jeepney gepasst. So ging es zunächst in 3 h Fahrt nach Sabang. Die Jeepneys dorthin fahren vom San José Terminal um 8, 12 und 14 Uhr ab. Von dort ging es 6 h weiter nach El Nido. Die ersten 80 % der Straße von Sabang nach El Nido sind bereits ausgebaut, die restlichen 20 % bestehen aus einer Schotterpiste mit Löchern. El Nido selbst ist Ausgangspunkt für viele kleine Inseln und Buchten, die per Boot erreicht werden können. Wer die typischen Traumstrände sucht, hier wird man fündig und fühlt sich teilweise wie Robinson Crusoe.

Palawan ist auch das letzte Ziel unserer Reise bevor es über Manila wieder zurück in die Heimat geht. Wir hoffen, unsere Story hat euch gefallen und ihr findet euch in der einen oder anderen Geschichte irgendwann wieder.
Evelyn & Werner
FRANGLE.org




