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Thailand: der Norden - FRANGLE goes EAST 2010

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17. Sept. 2010 - unsere Vorbereitungen

Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen und morgen Samstag geht´s los. Für die nächsten zwei Monate wird der Dschungel Südostasiens für sieben FRANGLEs zum Wohnzimmer.

Im Gepäck sind neben wenigen Bekleidungsstücken, reichlich Moskitoschutz und noch viel mehr notwendig gebrauchte Dinge für Projekte in Thailand, Laos, Vietnam und auf den Philippinen. Hauptsächlich sind es Schulmaterialien, Spielzeug und Kinderbekleidung, die unsere Rucksäcke füllen.

 

19.Sept. 2010 - von Wien über Dubai nach Bangkok

I am sorry, your dresscode does not match! Das war es dann auch schon. Dann können wir eben doch keinen Drink im 51. Stock des Emirate Towers in Dubai mit Blick über die ganze Stadt genießen...
 
Aber fangen wir von vorne an: 18. September  Wien, 22. Bezirk: Wir holen noch einige Dinge für eine Schule für aidskranke Kinder in Nordthailand ab und dann stand da noch ein Bobbycar (Tretroller). Darauf verzichten wollten wir nicht, da wir uns schon bildlich vorstellten, welchen Spaß die Kinder in der Schule damit haben könnten. Kurzerhand entschlossen wir uns neben den knapp 30 kg Spiel- und Schulsachen auch ein cooles rotes Bobbycar rund um die Erde zu transportieren. Und schon war auch der Titel unserer Reise geboren:

„Wir fahren mit dem Bobbycar nach Chiang Mai!“

Auf unserem Flug von Wien nach Bangkok hatten wir acht Stunden Aufenthalt in der Wüstenmetropole. Diese Zeit nutzten wir und fuhren mit dem Taxi in die Downtown von Dubai. Leider klappten die Söhne der Wüste um ein Uhr morgens die Gehsteige in die Höhe und so war die einzige Möglichkeit einen Drink zu bekommen, die Vu's-Bar hoch über den Dächern mit Blick auf den Burj Kalifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Nur passte unsere auf Bangkok eingestellte, legere Kleidung eben nicht 100%-ig mit den Vorstellungen des Liftboys überein. Sein Gegenvorschlag war eine skurrile japanische Karaoke-Bar im Keller des oben erwähnten Hochhauses. Ein kurzer Barrundblick inkl. Gesangshörprobe reichte allerdings aus und nach einer buchstäblich heißen Runde in der Altstadt Deira war das Abenteuer Dubai schon wieder Geschichte.
Weiter nach Bangkok – und zwar mit dem Airbus A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt. Schon beeindruckend, wie elegant, ruhig und gemütlich dieser Koloss abhebt und gefüllt mit bis zu 660 Menschen an Bord Richtung Südostasien fliegt. Die Bar der Business Class und die Schlafkabinen und Duschen der First Class blieben uns leider verborgen.
Keine sechs Stunden später sind wir auch schon in Bangkok, dem eigentlichen Ausgangspunkt unserer Reise. Wir stehen am Gepäcksband am Airport in Bangkok und schon kommt uns das unversehrte Bobbycar entgegen. Und jetzt machen wir uns auf die Suche nach dem nagelneuen Skylink, der Schnellbahn ins Zentrum Bangkoks, der uns den sonst üblichen Stau in die Stadt ersparen wird...

22. Sept. 2010 - Bangkok und die Tempel von Ayutthaya

Ein Wirrwarr an Menschen rund um uns herum, unzählige Straßenstände voll mit Schrauben und Werkzeug, Unterhosen bis zu Taschen, Küken oder Lotterielosen feilbietenden Verkäufern, Speisen aller Art mit einer gewissen Schärfe beim ersten Probieren, Mopeds, Fahrräder, Fahrradrikschas und Tuk-Tuks in allen Farben, Größen und Lautstärken...

„Sawatika'“ meinte der geschäftstüchtige Tuk-Tuk-Fahrer zur Begrüßung mit einem kurzen „Wai“ mit vor dem Gesicht gefalteten Händen zu uns. „Hello, need a Tuk-Tuk?“Wir sind in Bangkok und fahren mit für unsere Verhältnisse zu schnellen 50 km in der Stunde mit dem TukTuk im Zickzack-Kurs den entgegenkommenden und in dieselbe Richtung fahrenden Autos ausweichend die Straßen der Hauptstadt entlang.

Für einige mag die Stadt zu schmutzig, übel riechend und laut sein, wir sehen es als tollen Einstieg für eine Thailand-Tour und stürzen uns auch sogleich ins China-Town, wo der Wholesale alles beherrscht und man beim Spazieren durch die engen Gassen mit all den Geschäften alles aber  nur nicht Platzangst haben darf. Wer gerne einkauft, verfällt in der Stadt bei all den angebotenen Dingen leicht in einen Kaufrausch. Der Nightmarket jeden Tag von 18 bis 24 Uhr, das Shopping Center MBK und die Märkte auf der Petchaburi Road beim Siam Square haben es uns besonders angetan. Wir könnten dort Tage verbringen.

Aber bei einem PadThai , dem Nationalgericht der Thais (bestehend aus Nudeln, Ei, Gemüse, getrockneten Zwiebeln, Erdnüssen und Chilligewürz) und einem frisch gepressten Orangensaft im Backpacker-Viertel rund um die Khaosan Road planen wir die weitere Tour.


Bevor es ganz in den Norden des Landes nach Chiang Mai geht, machen wir noch einen Abstecher zu der nördlich von Bangkok liegenden ehemaligen Königsstadt Ayutthaya. Die Stadt ist in rund zwei Stunden mit dem Zug für ca. 40 Cent (wenn auch in der 3. Klasse, die wir aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Sitze, „Holzklasse“ nennen) zu erreichen und auf alle Fälle einen Abstecher wert. Tempelanlagen vom 13. bis zum 18. Jahrhundert reihen sich aneinander. Pagoden aus vergangenen goldenen Zeiten ragen in den Himmel, Buddhas in allen Größen sitzen und liegen eingebettet in den beeindruckenden Anlagen.Wir wollten den Tag auf dem Rad verbringen, aber wurden von unserer Hosteleigentümerin zu einem Tuk Tuk für den ganzen Tag und einer abendlichen Bootstour überredet, worüber wir dann angesichts der 35 Grad Hitze und Sonne sehr erleichtert waren. War das Hinaufsteigen der Treppen der Tempel und das herum wandern schon anstrengend genug.

 

Abends setzten wir uns in den Nachtzug, der uns in 12 Stunden nach Chiang Mai bringen wird. Die 2. Klasse mit Schlafwagen hat seine Vorzüge, die Sessel in den Waggons werden zur Schlafenszeit von den Zugschaffnern zu gemütlichen Stockbetten umgebaut. Leider konnten wir nur mehr Tickets für einen Platz mit Klimaanlage ergattern was sich auf den ersten Blick toll anhört aber wir kennen die Kühlschrankkälte während der Fahrt schon und sind mit Decke, Pullover, Jacken und Socken gewappnet. Und so lassen wir uns vom Rattern des Zuges in den Schlaf schaukeln....

23. September 2010 – von Ayutthaya nach Chiang Mai

We survived the coolin´ box train to Chang Mai!
Der Schlafzug war, wie erwartet, auf 17 °C gekühlt und so kamen wir nahezu schockgefroren am Morgen in Chiang Mai an. Das Aussteigen war eine wahre Wohltat und wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen.
Die Ausläufer des Taifuns, die in den letzten Wochen für schlimme Erdrutsche und Überschwemmungen sorgten, sind glücklicherweise gemeinsam mit dem Jetlag verschwunden.

Es wird Zeit unser erstes FRANGLE.org-Projekt zu besuchen.
Erst nach längerem Suchen fand unserer Taxifahrer das Haus der „Support the Children-Fountation“, wo uns Dr. Vicharn Vithayasai freundlich empfing. Er erzählte uns von seinem Projekt, das er gemeinsam mit seiner Frau bereits seit 1992 betreibt.
Inzwischen sind 450 Kinder und Jugendliche im Programm. Knapp 70 davon sind mit dem HI-Virus infiziert und werden unter ständiger ärztlicher Kontrolle therapiert. Die anderen sind durch die Auswirkungen von Aids auf deren Eltern in Schwierigkeiten geraten und werden sowohl psychologisch wie auch finanziell unterstützt. Hierbei gilt es, vor allem so der Arzt weiter, Aufklärungsarbeit zu leisten und für ein „normales“ Leben für die Kinder zu sorgen. Gerade die ländliche Bevölkerung in Thailand hat noch große Vorurteile zu Aids und so kann es leicht zu einer Ausgrenzung von selbst gesunden Kindern kommen, deren Eltern an Aids erkrankt sind bzw. daran gestorben sind.
Die Nachhaltigkeit steht bei allen Projekten im Vordergrund und so unternehmen zwei Sozialarbeiter mit den Kindern häufig Ausflüge in die umliegenden Gemeinden und Städte aber auch ans Meer in Vergnügungsparks oder in Klöster um die soziale Kompetenz der Kinder zu fördern. Die Jugendlichen gehen mit den anderen Kindern in die selben Schulen und daher findet dort auch eine enge Zusammenarbeit statt um ein fruchtbares Lernklima zu schaffen.

 
Das Bobby-Car ist am Ende seiner Reise angekommen
Ein großer Teil unserer Schul- und Spielsachen hat nun seinen Bestimmungsort gefunden. Auch das Bobbycar haben wir an die Organisation übergeben und es wird ab sofort in Chiang Mai ein Kind erfreuen.

Übrigens: Wir haben darauf verzichtet, die Kinder in ihrer Umgebung zu besuchen, um sie nicht zu  Herzeigeobjekten zu degradieren, sondern sie lediglich über die beiden Gründer zu unterstützen und sie in ihrem normalen Leben nicht zu stören. Daher gibt es auch von den betreuten Familien wie auch von den eigenen sechs Waisenhäusern, in denen je sechs Kinder in familiärer Umgebung leben, keine Fotos.

Das Projekt in Zahlen und Fakten:

  • 450 Kinder werden insgesamt betreut
  • ca. 70 davon sind mit dem HI-Virus infiziert und unter ständiger ärztlicher Kontrolle
  • Das Projekt verfügt über 6 eigene familiär geführte Waisenhäuser
  • 380 Kinder sind bei ihren bzw. bei neuen Familien untergebracht
  • 2 Sozialarbeiter kümmern sich ständig um alle Kinder direkt in den Gemeinden und Schulen
  • In jedem der Häuser sind 6 Betreuer für die Kinder zuständig
  • finanzielle Unterstützung von Familien
  • Kauf von Medikamenten um 2 Mio Baht (ca. EUR 50.000,-) / Jahr
  • Bezahlung von Schulgeld, Kauf von Schuluniformen und Lunch für die Kinder
  • Familien bekommen Kleinkredite bis 3.000 Baht (ca. EUR 70,-) um ein eigenes Geschäft zu gründen
  • Jugendliche arbeiten selbst später bei Projekten mit um die eigene Unterstützung an andere zurück zu geben...

Danke an Rico für das Bobbycar, Familie Priesch für die vielen Schul- und Spielsachen und Sebastian von Sagem Communications für Kapperl und Kugelschreiber. Es ist alles gut angekommen!

 Wenn ihr mehr über das Projekt wissen oder es selbst besuchen möchtet, hier findet ihr nähere Infos >>

25. September 2010 Rafting und Elephantentrekking

„You have about twenty minutes...“
Diesen gefürchteten Satz erwarteten wir bereits als wir bei der ersten Station unseres Tagesausfluges aus dem Minivan stiegen.
Zwei Tage verbrachten wir in Chiang Mai, wobei wir die Stadt bereits am ersten Tag erkundet hatten. Da wir den zweiten Tag nicht auch noch in der drückend heißen Stadt auf den verschiedenen Märkten verbringen wollten buchten wir eine Tagestour zu verschiedenen Attraktionen in der Umgebung. Eigentlich sind diese „durch-und-durch-organisierten“ Touristenausflüge nicht unser Fall, aber bei einem Preis von gerade mal  12,- Euro kann man nicht viel falsch machen.

Nach einer recht stürmischen Fahrt durch den Morgenverkehr von Chiang Mai steuerten wir auf eine Schmetterlings- und Orchideenfarm zu. Naja, Schmetterlinge und Orchideen gab es zu bestaunen und nach besagten 20 Minuten ging es eben wieder weiter. Zugegeben, es waren einige tolle Schmetterlinge dabei, die es in der Heimat in dieser Farbenpracht und Größe nicht gibt!

Anschließend ging es in den Berge, die um Chiang Mai liegen. Bei einer Bambusfloßfahrt auf einem gemächlichen Fluss konnte man die idyllische Umgebung genießen und einen ersten Blick in den Regenwald werfen. Der nächste Stopp war der Ritt auf einem Elefanten. Auf dem Weg dorthin hatten wir Zweifel, ob die Tiere wohl Art gerecht gehalten werden. Bei der Ankunft stellten wir fest, dass es keine Zirkuselefanten waren, sondern   ihnen nahezu ein richtiges Reservat zur Verfügung steht, wo sie sich außerhalb ihres Dienstes frei bewegen konnten! In freier Wildbahn wären sie wohl gejagt und längst getötet worden!
Mit einem Guide ging es erst am Rücken dieser grauen Riesen den Fluss entlang durch den Regenwald. Dabei waren doch recht beachtliche Steigungen, Hindernisse und  Bachläufe zu bewältigen! Beim Rückweg tauschten wir dann den Platz mit dem Guide und so konnten wir auf den Schultern der Elefanten Platz nehmen – ein seltsames aber umso beeindruckenderes Erlebnis.


Nach einem Mittagessen wo natürlich das Nationalgericht PadThai serviert wurde, ging es tiefer in den Regenwald hinein. Mit der unglaublich schönen Landschaft konnte die Straße  nicht mithalten. Die Regenzeit und die Ausläufer eines Taifuns hatten ihre Spuren  hinterlassen. Das war auch der Grund warum wir die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurücklegen mussten, wo wir schließlich das Highlight unserer Tagestour erreichten – das  Rafting.
  

Nach kurzer aber ausreichender Einweisung ging es dann mitsamt dem Boot über die Böschung ins angenehm warme Wasser und nach einigen Metern schluckten uns auch schon die ersten Wellen! Patschnass, wie es sich gehört, ging es dann den Fluss mal schnellerem, mal mit gemütlicherem Tempo abwärts und die letzten paar hundert Meter legten wir ohne Boot einfach nur im Fluss treibend zurück – nicht spektakulär aber umso lustiger!
Zwecks weiterer Erfrischung an diesem heißen Tag badeten wir danach noch an einem idyllischen Wasserfall in der Nähe eines Akha-Dorfes, einem Thailändischen Bergvolk.
Zurück in Chiang Mai ließen wir den Tag mit traditionellen, teils sehr scharfen Gerichten, frisch gepressten Fruchtsäften und Rotí, einer leckeren Süßspeise unseren Palatschinken nicht unähnlich, ausklingen.

Es geht für die nächsten zwei Wochen weiter nach Laos...

Evelyn & Werner, 2010
FRANGLE.org

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