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Tonga - Willkommen in der Südsee

Malo E Lelei! – Willkommen im „Kingdom of Tonga“.
171 Inseln mit insgesamt 100.000 Einwohnern werden hier in der Südsee von King George Tupou V. regiert. Vor 5 Tagen sind wir hier in diesem Meer von Inseln am anderen Ende der Welt angekommen „Tonga is the one and only paradise“, das meinte ein Tonganischer Marktverkäufer zu uns, der nach vielen Jahren auf Maui/Hawaii wieder hierher in seine Heimat zurückgekehrt ist.
Alles hier ist „easy going“. Es wird nicht zu viel gearbeitet, haben wir den Eindruck. Das Leben genießen und alles mit Gemütlichkeit angehen ist oberstes Gebot. Sonntag ist Kirchtag. Das heißt, das tägliche Leben steht still. Alle Geschäfte Restaurants, Werkstätten sind geschlossen. Es gibt keine Busse, keine Taxis, die Fähren fahren nicht zu anderen Inseln. Alle Inselbewohner trifft man dann in den vielen verschiedenen Kirchen wieder, die als gesellschaftlicher Treffpunkt gesehen werden. Alle sind wunderschön gekleidet. Viele Männer laufen mit mit schwarzen Röcken umwickelt mit einer Bastmatte, die von einem Band zusammengehalten werden, herum. Frauen tragen weiße Blusen und bunte Röcke von denen Bastquasten baumeln. Wir waren begeistert von den tollen Gesängen, die wir bei einer Messe miterleben durften. Es gibt in den Kirchen eigene Dirigenten nur für den Gesang. In allen Tonarten, mehrstimmig und im Kanon wird gesungen. Bei uns wäre dieses Zusammenspiel unmöglich.

Die umliegenden Inseln rund um die Hauptinsel Tongatapu sind Südseeinseln pur. Kleine grüne Inseln, die in nicht einmal einer Stunde zu Fuß umrundet werden können, weißer Sandstrand, Kokospalmen und türkisblau schimmerndes, flach abfallendes Wasser mit vielen Fischen, die durch die Sonnenstrahlen noch bunter erscheinen.

Tonganer essen gerne und viel. Das sieht man ihnen an. Es gibt wenige Erwachsene, die weniger als 100 kg wiegen. Beleibtheit ist hier noch Schönheitsideal. Es läuft allerdings gerade ein Gesundheitsprogramm um die Tonganer zum abnehmen zu bewegen. Der König mit 70 verlorenen Kilos mit gutem Beispiel voraus.
Drei Tage haben wir auf eine der ältesten Inseln der Südsee – 'Eua – verbracht. Die Fährüberfahrt dorthin war ein Abenteuer. Zwei Schweine, eine Ziege und viele Tonganer haben uns mit Südseemusik-Untermalung aus Lautsprechern begleitet. Es gab sogar eine Schwimmwesteneinschulung auf tonganisch, die von allen Tonganern mit viel Lachen verfolgt wurde. Wir wissen jetzt, wie die Westen funktionieren, haben aber ausser der Vorführweste keine an Bord gefunden...

Auf der Insel hatten wir die Idee, uns Pferde zu „mieten“. Die drei tapferen Gesellen kamen dann auch bald. Wir hatten natürlich vorher nicht überlegt, dass auf der Insel weder Sättel, noch Steigbügel vorhanden sind. Als „Sitzunterlage“ dienten ein Neusack und alte Decken, was den Ritt recht schmerzhaft machte. Am Ende des Tages mussten wir die Pferde nach Hause ziehen, sie waren nicht mehr die Jüngsten. Die Anstrengung machte sich aber bezahlt. Wir trafen an einer wunderschönen Cliff-Landschaft auf Wildpferde. Werner wurde auch nur zweimal abgeworfen oder rutschte besser gesagt samt Heusack, der einfach nicht halten wollte, vom Pferd.

Wir wohnten bei einer Tonganischen Familie und hatten tollen Anschluss und Einblick in den tonganischen Alltag. Taina, die Frau des Hauses, wurde sogar vor vielen Jahren zur „Miss 'Eua gewählt.
Mit dem Flugzeug, einem 8-Sitzer inklusive australischem Piloten, das auf einer Schotter-Graspiste abhob, ging es in 12 Minuten inklusive Start und Landung - dem kürzesten Übersee-Flug der Welt - zurück nach Tongatapu, der Hauptinsel.

Ein Großteil Tongas liegt nur auf 17 m Seehöhe, die höchste Erhebung liegt auf 65 m. Auf den ersten Blick wirkt alles ein wenig verlassen und heruntergekommen. Wir hatten zunächst Mühe, etwas zu essen zu finden. Die Geschäfte sind versteckt hinter vergitterten Gebäuden. Man steht vor den Gittern und versucht einen Blick auf die im hinteren Teil gelagerten Lebensmittel zu erhaschen und bittet dann um die gewünschten Dinge. Alle legen wert auf die „Tonga time“ - nur keine Eile. Schon bei der Einreise an der Passport-Kontolle konnten wir sehen, dass sich hier niemand besonders beeilt und abmüht.

Tonga liegt an der Datumsgrenze und ist das erste Land des neuen Tages. Es gibt keine Kinos, keine Shoppingcenter, keine tollen Restaurants, keine Museen nur viele einzelne Häuser, kleine Geschäfte, die die wichtigsten Lebensmittel verkaufen, einen Fischmarkt, eine Bäckerei, in der es auf uns unverständlichen Gründen nur Süßigkeiten aber kein Brot gibt, eine große Markthalle mit Obst und Gemüse, viele verschiedene Kirchen, Schulen und den Königspalast. Das Leben hier ist einfach aber wir merken, den Leuten geht es gut. Wie unser Tonganer am Markstand schon meinte, hier wartet kein 8 bis 17 Uhr Job auf ihn, es läutet nicht ständig das Mobiltelefon, er muss sich niemand ständig den Kopf zerbrechen. In Tonga lässt es sich leben, und so sind wir jeden einzelen Tag, den wir hier verbringen noch ein wenig lieber hier...

Evelyn Priesch und Werner Savernik, 2011
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