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Nachhaltiger Tourismus einmal anders am Titicacasee

Jeder kennt den Titicaca-See, zumindest namentlich. Doch die wenigsten waren tatsächlich vor Ort und haben sich die beschwerliche Anreise in eine Höhe von knapp 4000 Meter über dem Meeresspiegel angetan. Hat man jedoch das Mikroklima und die Höhe erst einmal „vertaut“, öffnet sich für den Besucher eine faszinierende Welt von beeindruckenden Farben und Riten der hier lebenden Menschen. Eine Vielzahl an Völkern haben sich rund um den See, sowohl auf der Peruanischen, wie auch auf der Bolivianischen Seite aber auch im und am See angesiedelt und pflegen ihre eigene Lebenskultur.

Ein Lokalaugenschein bei einer ganz speziellen Gruppe, der Uros, soll deutlich vor Augen führen, dass man Touristen durchaus bändigen kann und dennoch nicht ausschließen muss.

Die Islas de Uros sind von Puno aus sehr leicht und kostengünstig mit kleinen Booten zu erreichen. Lediglich eine halbe Stunde fährt man durch Kanäle vorbei an Schilfgürteln mit prächtiger Vogelwelt. Der „Normtourist“ beginnt den Tag früh, knapp nach Sonnenaufgang, und wird in einer geführten Tour vom Hotel abgeholt und mit Minibussen zum Hafen geführt. Von dort geht es direkt zu den traditionellen „schwimmenden Inseln“ des Stammes der Uros, die schon lange vor den Inkas rund um den See siedelten. Einige der damaligen Fischer fanden heraus, dass man auf kleinen herumtreibenden Schilfinseln Unterschlupf beim Fischen finden kann und bauten nach und nach größere Inseln, auf denen sich allmählich ganze Familien ansiedelten.

 

Mittlerweile gibt es ca. 60 Inseln, die zwar fix verankert aber dennoch schwimmend am See besiedelt wurden. Nahezu alles, was die Uros auf diesen Inseln zum Leben benötigen, wird aus dem Schilf der Umgebung hergestellt: Häuser, Böden, Schlafunterlagen und sogar Boote werden aufwendig und kunstvoll in Jahrhunderte alter Tradition verarbeitet. Das Schilf ist auch Teil des Speiseplans, der sonst meist aus Fisch und selbst gejagten Wasservögeln besteht.

 

Zu den Touristen gibt es eine geteilte Meinung bei den Uros: Einerseits stören sie das gemächliche Leben auf den Inseln, andererseits sind sie willkommene Einnahme- und Absatzquellen für das von den Frauen und Kindern gefertigte Kunsthandwerk. Aber bei den Uros gibt es eine Besonderheit im Umgang mit den Reisenden: Sie haben sozusagen „Öffnungszeiten“ auf ihren Inseln eingeführt. Sämtliche Touren finden lediglich in den Morgenstunden bei den Inseln statt und deren Bewohner spulen in dieser Zeit ihr tägliches „Touristenprogramm“ herunter. Es wird erklärt, wie die Inseln aufgebaut sind, wie das soziale Zusammenleben funktioniert und welche Lebensgewohnheiten üblich sind. Die Uros sind in grellbunten, der Tradition nachempfundenen Gewändern gekleidet und spielen die heile Welt auf dem See vor. Eine weitere Besonderheit gibt es hier auf der Inselwelt. Ein sozial ausgewogenes System bringt in einem rotierendem System die Touristen abwechselnd zu allen Inseln. Jede Gruppe ist einer Insel zugeordnet. Auf allen Inseln findet dasselbe Programm statt. So kommt es zu keinem Preisdumping und die Konkurrenz untereinander ist daher minimal. Nach einer Stunde Präsentation und einem abschließenden Besuch in einem Wohnhaus mit obligatem Kauf von recht kitschigem Kunsthandwerk geht es weiter.

Kaum sind die Touristen weg, was weit vor Mittag der Fall ist, wird zu „normaler“ Alltagskleidung gewechselt, man fährt nicht mehr mit Schilf- sondern Holzbooten, die nicht nach sechs Monaten verrotten. Die Kinder fahren zur Schule, die sich im Inselverband befindet, die Frauen knüpfen oder sticken und die Männer gehen Fischen oder Jagen.

Ein normaler Tag nimmt seinen Lauf. Kaum ein Tourist kommt nach dem ersten Ansturm auf eigene Faust hierher und die wenigsten übernachten in den einfachen Hütten, bei niedrigen Temperaturen, kaltem Wasser und nahezu nicht vorhandenen sanitären Standards (was aber bei ein wenig Abenteuerlust und Entdeckergeist zu empfehlen ist!).

Die Uros schaffen sich mit dem organisierten, auf den Morgen beschränkten Touristenbesuchen ihren Freiraum um ihr Leben nahezu ungestört zu führen und das allmorgendliche Indio-Disneyland bringt genügend Einkommen um die Zeiten begrenzen können.

 

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