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FRANGLE goes Jungle - Reise zum Ursprung des Amazonas

"Kauft Euch auf dem Markt zwei Hängematten und Moskitospray und morgen früh geht`s los!" Wir sind auf unserer Reise durch Peru in der größten nicht auf dem Landweg erreichbaren Stadt der Welt - in Iquitos - gelandet und auf der Suche nach einem Guide für unsere Amazonastour auf Carlos gestoßen.
Rund 50 % des gesamten Landes ist Amazonasregenwaldgebiet, der gewaltige Fluss hat seinen Ursprung rund 200 km entfernt von Iquitos, wo der Rio Marañon und der Rio Ucayali den "größten Strom der Welt bilden. Dort wollen wir hin! Zwei Stunden Bus- und drei Stunden Bootsfahrt später finden wir uns in einer komplett anderen Welt wieder, weit weg vom hupenden Tuk-Tuk-Fahrzeugen, staubigen Straßen und lautem Stimmengewirr.

Wir sind in Puerto Miguel, einem kleinen idyllischen Fischerdorf mitten im Amazonasregenwald Perus.
Wir "quartieren" uns bei einer einheimischen Familie in einer großen aus Holz und Bambus gebauten und mit Palmenblaettern gedeckten Hütte ein, was bedeutet, wir suchen uns ein Plätzchen für unsere Hängematte inklusive darübergestülptem Moskitonetz. Wie dringend wir das Moskitonetz dann auch wirklich benoetigen, bekommen wir dann auch gleich in der ersten Nacht zu spüren. Wenn sich die Dämmerung über dem Regenwald legt, sind wir schon von tausenden der Blutsauger umgeben...
Das Leben hier ist einfach, sehr einfach. Einzige Wasserquelle ist der direkt
am Haus vorbeifließende durch Schlamm braungefärbte Fluss. Er dient mit seinem grossen Reichtum an Fischen, darunter auch Piranhas, als Nahrungsquelle, zum Wäsche waschen, zur täglichen Hygiene aber auch als Trinkwasserlieferant. Wir sind dankbar, einen eigenen Frischwassercontainer mitzuhaben. Strom gibt es nicht. Eine Kerze ist abendliche Lichtquelle. Die Familie schläft in einfachen mit Moskitonetzen bedeckten Holzbetten. Matratzen sucht man hier vegeblich. Eine Feuerstelle markiert die Küche des Hauses. Es gibt einen kleinen Tisch mit vier Holzschemeln, gegessen wird aber lieber am Holzboden sitzend. Rund ums Haus hängt die zum trocknen aufgehängte Wäsche und Hühner gackern unter dem auf Holzstelzen gebauten Haus. Zwei Hunde streiten sich um die Essensreste, die einfach nach draussen geworfen werden. Alltag in Puerto Miguel.

Neben einigen wenigen Motorbooten tummeln sich unzählige kleine Einbaumboote am Fluss, Kinder spielen am Ufer, Frauen waschen Kleidung und Männer versuchen ihr Glück und werfen Netze zum Fischfang aus. In der Regenzeit steigt das Wasser um bis zu 9 Meter an. Ein großer Teil des Flussufers wird dann über Monate hinweg überschwemmt und mit nährstoffreicher Erde bedeckt. Die Häueser stehen alle auf Stelzen um den Wassermassen standzuhalten. Nach dem Rückgang des Wassers werden die nun freistehenden Felder mit Reis bepflanzt und das alljährliche Spiel beginnt von vorne.

Nach zwei Nächten im Dorf geht es für uns direkt in den Regenwald. Mit dem Boot fahren wir in einen Amazonasseitenarm und plötzlich sehen wir nicht weit von uns etwas aus dem Wasser springen: Rosa Define. Wir sind begeistert. Auch Kaymane tummeln sich im Wasser, man bekommt sie mit ein wenig Glück in der Dunkelheit zu Gesicht,

Carlos unser Guide, der sich als ehemaliger National Geograhic und Discovery Channel Guide entpuppt, versichert uns, sie wären völlig ungefährlich, da sie von den Einheimischen gejagt werden und sich daher aus Angst vor den Menschen verstecken. Dasselbe gilt für die Piranhas, die nur angreifen, wenn Blut aus einer offenen Wunde ins Wasser kommt. Wir hoffen, dass er recht behält.

Wir schlagen unser Nachtcamp an einer kleinen Waldlichtung am Fluss auf - lediglich wir beide, Carlos und Mjelko, der Hausherr unseres Basiscamps.
Dann geht es zu einer Erkundungstour in den dichten Regenwald. Wir sind froh, lange Hosen zu tragen, was unsere ständigen Begleiter, die Mosquitos, ein wenig erträglicher macht. Plötzlich ein Aufschrei von den beiden zuvorderst gehenden Personen unserer Gruppe. Wir sind in einen agressiven Wespenschwarm geraten, die ihr Revier um jeden Preis verdeidigen. Jeder hatte zumindest zwei Stiche abbekommen, die höllisch brennen und erst nach und nach ihre Wirkung verlieren.

Wir lernen von unserem Guide die verschiedensten Medizinbäume und ihre Wirkung und Verwendung für die Indianerstämme am Amazonas kennen, bekommen neben vielen beeindruckenden Vögeln eine Gruppe wunderschöner bunter Papageien zu Gesicht. Schließlich fällen wir gemeinsam mit viel Aufwand und Kraftanstrengung einen Baum um an die ganz oben im Stamm befindlichen "Dschungel-Spaghetti" zu kommen, die wir am selben Abend dann lediglich mit ein wenig Salz und Zitrone verfeinert genießen - köstlich!
Die Nacht in der Hängematte mitten im Wald ist angenehmer als befürchtet. Wir hören das Vorbeirauschen von Fledermäusen, unter uns knistert kleines Getier am Boden und wir nehmen das Plätschern war, wie sich Vögel zur Fischjagd ins Wasser stürzen. Viele weitere undefinierbare Geräusche wiegen uns schließlich in den Schlaf.

Am nächsten Tag geht es wieder zurück in unser kleines Dschungeldorf. Aufgrund der Hitze lässt sich ein "Bad" im Flusswasser nicht vermeiden, auch wenn uns immer wieder "irgendetwas" unter Wasser anpickst.
Nach fünf Tagen hier sehnen wir uns allerdings nach einem richtigen Bad, ein Essen ohne Fisch am Teller, reines Trinkwasser, eine Moskito-freie Zone und einem Bett mit Matratze. Es ist sehr idyllisch hier, die Menschen scheinen glücklich zu sein - in ihrer eigenen Welt, weit weg von der Zivilisation der Stadt.
Tiefer im Amazonasdschungel leben auch noch Indianerstämme ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Menschen hier in Puerto Miguel haben wahrscheinlich Ihre Lebensweise nicht stark im Gegensatz zu den Ureinwohnern verändert. Sie laufen lediglich nicht nackt herum sondern tragen kurze Hosen und Shirts. Viele Riten und Gebräuche haben sich über Jahrhunderte kaum modernisiert. Das einzige was hier nicht ins Idyll passt, ist der mitten in der Hütte stehende Fernseher, der allerdings seit Monaten nicht mehr funktioniert und eher als Statussymbol dient.



