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FRANGLE goes Round the World - Part II

Teil 14 - Müllerziehung in Bogota - FRANGLE.org zu Besuch bei Exito Verde
Gestern stand der letzte Projektbesuch unserer FRANGLE-Reise durch Peru, Ecuador und Kolumbien auf dem Programm - es ging zu Exito Verde, einer privaten Organisation, die sich der Umwelterziehung in der Hauptstadt Kolumbiens, in Bogota widmet.
Wir trafen uns mit Patricia Rozo Matamoros, der Initiatorin des Projekts, kauften gemeinsam Stoffe, Nähzubehör, Kinderspielsachen und 10 kg Blockschokolade und machten uns dann auf ins Barrio Ciuadad Bolivar - einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Nur wenige Touristen verirren sich in das Viertel. Hier wohnen Familien dicht gedrängt in ärmlichsten Verhältnissen in kleinen unverputzten Häusern, oft ohne Strom und Wasser. Es liegt viel Schmutz herum, immer wieder steigt einem ein unangenehmer Geruch in die Nase. Hunde streunen herum, Kinder spielen in den Straßen. Jede Familie hier hat ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Exito Verde arbeitet hier an mehreren Projekten. Besonders beeindruckt hat uns die Initative NINFA, bei der Bewohnern einmal pro Woche die Möglichkeit geboten wird, recyclebaren Müll zu einer Sammelstelle zu bringen und gegen Lebensmittel einzutauschen. Die Idee ist einfach, schafft Umweltbewusstsein und eine kleine Einnahmequelle für Familien.
Mit den 10 kg Blockschokolade besuchten wir eine Familie, der Exito Verde dazu verholfen hat, eine kleine Schokoladenwerkstatt einzurichten. Liebevoll werden kleine Schokoherzen, Schmetterlinge und Marshmallow-Kugeln hergestellt, die dann auf einem Markt verkauft werden und der Familie zu einem Einkommen verhelfen.
Ein paar Häuser weiter treffen wir drei ältere Frauen, die aus bunten Stoffen Kochschürzen herstellen. Bei einem weiteren Projekt geben Volontäre - Yannick aus der Schweiz und Sandra aus Deutschland - Kindern im Viertel Englischunterricht.
Exito Verde ist eine sehr kleine, private Organisation und die Mittel begrenzt aber Patricia und ihre Helfer engagieren sich mit einem großen Herzen, um mit vielen kleinen Initiativen, Familien zu helfen ihr Leben lebenswerter zu gestalten.

Weitere Infos zum Projekt findet Ihr in unserer Projektbeschreibung und der Travelstory von Franzi, Robert und Maria, drei Volontären, die einige Monate bei Exito Verde verbracht haben.
Teil 13 - Kolumbien - Drogenhochburg mit Karibikstrand?
Wir wussten nicht, was uns erwarten würde, als wir die Brücke an der Grenze von Ecuador nach Kolumbien überquerten, im Hinterkopf Reisewarnungen und Geschichten von Drogenkriegen, Entführungen und Überfällen. Der manipulierte Taschenrechner eines Geldwechslers an der Grenze bestätigte unsere Erwartungen. Umso mehr überrascht waren wir vom fehlenden Securitypersonal vor jedem Spielwarengeschäft und keinen der Polizisten mit schusssicherern Westen an allen öffentlichen Plätzen wie wir es von Ecuador gewohnt waren.
Nach einer Nacht in der überraschend netten Grenzstadt Ipiales fuhren wir mit einem klapprigen alten Bus acht Stunden weiter in die Salsahauptstadt des Landes nach Cali. Das Busnetz in Kolumbien ist gut ausgebaut, die Busse und die Fahrweise gewöhnungsbedürftig und teilweise angsteinflößend. Die Ticketpreise sind beim kauf am Schalter nur Richtpreise und verhandelbar. Wir waren dann auch gar nicht überrascht, dass der Fernseher im Bus nicht funktionierte, die Fenster klemmten und wir dann doch zwei Stunden später als geplant in Cali ankamen. In unserem Hostel fanden wir uns dann auch eine halbe Stunde später gleich im ersten Salsa-Kurs wieder.
Teil 12 - FRANGLE.org zu Besuch bei CENIT in Quito
Mit einer langen Einkaufsliste mit vielen unbekannten spanischen Wörtern, die uns unser Projekt CENIT in Quito, Ecuador geschickt hatte, verbrachten wir an einem Montagmorgen zwei Stunden in einem Papier- und Schulwarengeschäft mitten in der Stadt. Wir hatten uns dafür unbewusst den optimalsten Tag ausgesucht, es war der erste Schultag in Quito nach einem Monat Schulferien und so drängten Mütter und Väter mit uns in das kleine Geschäft. Fünf große Kartons wurden es schließlich, voll mit Schulheften, Stiften, Zirkeln, Linealen, Mappen, Klebstoffen, Plastilin, Bastelkartons und unzähligen weiteren Dingen. Wir verstauten alles in einem Taxi und machten uns auf den Weg zu unserem Projekt im Süden der Stadt.
In den zwei Tagen davor erkundeten wir die Hauptstadt und stießen auf auffallend viele Kinder, die in den Straßen mit Bauchläden bestückt Zigaretten, Süßigkeiten, Rosen und sonstigem Kleinzeug verkauften. Sie wirkten herzzerreissend, waren schmutzig, oft noch ganz klein und bis spät abends in der Dunkelheit unterwegs. Andere zeigen "Kunststücke" auf Straßenkreuzungen, putzen Schuhe oder arbeiten auf den Märkten als Gemüsearbeiter.


CENIT "Centro de la La Niña Trabajadora" kümmert sich genau um diese Kinder. Wir waren sofort begeistert von dem Projekt und wussten, unsere Hilfe ist hier genau in die richtigen Hände gekommen.
Wir trafen uns mit der Direktorin sowie der Koordinatorin der Volontärsarbeiter. Insgesamt arbeiten rund 50 Personen dort, darunter auch zwischen acht und zehn Volontäre. Was uns überraschte war, dass all die Straßenkinder nicht in "Banden" organisiert sind, sondern bei ihren eigenen Familien ein Zuhause haben. Allerdings leben sie in so ärmlichen Verhältnissen, dass die Kinder zum Einkommen durch Straßenarbeit beitragen müssen. Sie gehen daher auch nicht zur Schule, sind oft in ihrer Entwicklung zurückgeblieben und nicht selten auch physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt.


Wie uns die Direktorin erklärt, lastet auf ihnen oft der Druck, einen Mindestgeldbetrag pro Tag einzunehmen, da sie sonst geschlagen werden. CENIT geht auf die Straßen und Märkte, sucht nach solchen Kindern und versucht mit intensiven Gesprächen mit deren Eltern die Kinder von der Straße in das kostenlose CENIT-Projekt einzugliedern. Bis zu 650 Kinder sind es derzeit, die in zwei Schuleinheiten unterrichtet werden. Aus akutem Platzmangel werden die Schüler in zwei Grupppen geteilt, die entweder am Vormittag oder Nachmittag in die Schule gehen oder eine Kurzausbildung als Bäcker, Friseur oder Schneider erhalten.

Volontäre mit Basis-Spanischkenntnissen, die mindestens zwei Monate mithelfen und unterrichten möchten sind gerne willkommen. Wie bei den meisten FRANGLE-Projekten ist auch diese Freiwilligenarbeit kostenlos für die Volontäre. Lediglich ein einmaliger geringer Beitrag von etwa € 70,- ist zu bezahlen, der allerdings gratis Trinkwasser und die Betreuung während der gesamten Zeit beinhaltet. Unterkünftmöglichkeiten gibt es bei umliegenden Familien oder in Hostels in Quito. Die wirklich tolle Koordinatorin Gladis gibt dazu gerne Auskünfte.

Generell muss man natürlich in Quito, wie in allen lateinamerikanischen Großstätten, mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko rechnen. Kleinere Delike und Raubüberfälle stehen auf der Tagesordnung und bei einem Aufenthalt von einem Jahr in Südamerika ist es sehr wahrscheinlich, dass einem seine Fotokamera oder seine Geldtasche einmal gestohlen wird. Durch bewussten Umgang (wenig Bargeld, Trennung von Geld und Kreditkarte, Wertachen nicht sichtbar tragen, Nutzen von Tresoren, etc.) kann man das Risiko jedoch stark reduzieren.

Die Direktorin und die Koordinatorin Gladis von Cenit mit Evelyn Priesch von FRANGLE.org
Teil 11 - Auf Charles Darwins Spuren auf Galapagos
Blickt man auf die von Kratern gekrönten Vulkane und die noch klar voneinander zu unterscheidenden Lavaströme, so gelangt man zu der Ansicht, dass sich hier vor nicht allzu langer Zeit der Ozean noch ununterbrochen ausbreitete. Es scheint so, als kämen wir dem großen Ereignis, dem Geheimnis der Geheimnisse - dem ersten Erscheinen neuer Lebewesen auf dieser Erde - immer näher." - Charles Darwin, "The Voyage of the Beagle"
Vor ungefähr zehn Tagen sind wir vom Festland Ecuadors nach 2 Stunden Flug hier auf Galapagos angekommen. Nur einige der vielen Inseln sind besiedelt, wie Santa Cruz, auf der sich auch der Flughafen befindet und die Touren zu den anderen Inseln starten.
Was man von den Galapagos-Insen sieht, sind nur die Spitzen riesiger Schildvulkane, die sich von einigen zehntausend Metern vom Meeresboden erheben. Die jüngsten Inseln entstanden vor rund 4-5 Mio Jahren, der Entstehungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Immer noch sind viele der Vulkane aktiv. Die Tiere kamen vom Festland, so gibt es nur bestimmte Tierarten, die es bis hierher schafften, und auch ihre natürlichen Feinde zurückließen. Aus diesem Grund sind die Tiere auch so zutraulich und zeigen keinerlei Scheu vor dem Menschen.

Die Inseln sind nur per Boot erreichbar, zu näheren Inseln werden Tagestouren von Santa Cruz angeboten, möchte man zu abgelegeren Inseln gelangen, muss man etwas tiefer in die Tasche greifen und mit einem der vielen Schiffe hier für mehrere Tage auf Entdeckungstour gehen. Bucht man diese Variante vor Ort auf Santa Cruz, ist sie um ein Vielfaches günstiger als von Europa aus. Die Auflagen zu Gunsten des Natur- und Artenschutzes hier sind streng. Die Tourismusverantwortlichen haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, nirgendwo sonst wird nachhaltiger Tourismus so gelebt wie hier.

Charles Darwin, ein englischer Naturforscher, der 1835 auf seiner Weltumsegelung auch auf Galapagos Halt machte, war der erste, der beobachtete, wie sich jede Tierart mit der Zeit veränderte und sich den Gegebenheiten anpasste um zu überleben. Seine zahlreichen Beobachtungen waren Basis für seine Evolutionstheorie.

Wir durften die Inseln neun Tage lang erkunden und waren überwältigt von den bizarren Landschaftsformen, der lebendigen reinen Natur und dem besonderen Tierreich. Viele der Tiere hier sind endemisch, sie sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Das Gefühl auf einem Strand mit hunderten von Seelöwen zu sein, ist unbeschreiblich. Nirgendwo sonst ist die Natur so hautnah erlebbar wie hier.
Wir konnten zwei Galapagos-Wasserschildkröten bei der Paarung beobachten, ein Kormoran fütterte sein Junges, ein Gelbschnabel-Albatross versuchte, einen für ihn viel zu großen Fisch hinunterzuwürgen und ließ ihn in seinem Maul herumbaumeln, bevor er ihn doch wieder ausspucken musste, ein Seelöwen-Baby saugte Milch an seiner Mutter, Tölpel-Vögel mit auffallend blauen Füßen nisteten am Wegrand, riesige Galapagos-Schildkröten mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter schleppten ihren Panzer gemächlich voran, und die nur hier vorkommenden Land- und Marine-Iguanas liegen überall in grossen Mengen auf den Wegen, sodass man acht geben musste, auf keinen zu treten.


Jede der Inseln ist einzigartig und hat seine eigenen Tiere und Landschaften. Wir fühlten uns bei unseren Erkundigungen wie inmitten einer National Geographic-Dokumentation im Fernsehen. Die Besucherzahlen auf den Inseln sind streng geregelt, die Tiere dürfen nicht berührt werden und auch kein Essen und keine Pflanzen dürfen auf die Inseln gebracht oder von den Inseln mitgenommen zu werden um den Artenreichtum zu erhalten und keine "Feinde" auf die Inseln zu bringen. Die Wege sind genau vorgegeben und markiert, die Tiere zeigen sich davon und uns Besuchern aber vollkommen unbeeindruckt. So steigt man immer wieder über Nistplätze der Vögel oder Iguana- und Seelöwen-Kolonien.

Viel Zeit haben wir auch im und unter Wasser verbracht und sind riesigen Meeresschildkröten, Marine-Iguanas, Pinguinen und Seelöwen begegnet, die reges Interesse an unseren Taucherbrillen gezeigt haben. Man gewöhnt sich langsam auch an die vielen Haie, die immer wieder zu sehen sind und "ungefährlich" nahe kommen, wie uns unser Guide versichert hat.

Das Feuer an Bord unseres Schiffes, dass am dritten Tag im Maschinenraum direkt unter unserer Koje ausbrach, und uns ohne Strom im Dunkeln an Deck verbringend, zum nächsten sicheren Hafen drängte, holte uns aus unseren Insel-Träumen wieder ein wenig in die Realität zurück. Aber schon am nächsten Tag brachen wir wieder neu auf. Für uns sind die Inseln hier ein magischer Ort, der auf unserer Erde einzigartig ist.
Wir hoffen, dass die Bemühungen, die besondere Natur hier zu erhalten, noch lange weiter bestehen bleiben und die Tiere hier noch lange so unbeschwert leben können wie wir sie hier getroffen haben.


Teil 10 - Bienvenidos en Ecuador
Nach einem abenteuerlich verwirrenden Grenzübergang von Peru nach Ecuador, wo wir nur durch mehrmaliges Nachfragen über die Grenzbüros für unsere Ein- und Ausreisestempel stolperten, hatten wir Glück und konnten einen Bus in Richtung Cuenca, unserer ersten Destination in Ecuador aufhalten. Das Glück zeigte sich zum zweiten Mal als der Bus nach dem Tanken an einer Tankstelle ohne Rücksicht auf fehlende Passagiere, die den Gang zu einer öffentlichen Toilette gewagt hatten, inklusive eine von uns, weiterfuhr und nur durch Anschreien des Buschauffeurs im Bus und Nachrufen beim Nachlaufen hinter dem Bus, gestoppt werden konnte.
Cuenca ist die Hauptstadt des Panamahutes, der verwirrenderweise hier seit vielen Jahrzehnten bei vielen kleinen Hutmachern gefertigt wird, und Panamahut heißt, weil sie den Bauleuten des Panamakanals als Sonnenschutz diente. Natürlich klapperten wir einige Hutmacher ab und ließen uns die besondere Technik der Herstellung erklären und ersteigerten selbst einen solchen.
Von unserem nächsten Ziel, der Stadt Guyaquil, rieten uns aufgrund der Kriminialität und vielen eigens erlebten Überfällen, viele Traveller ab, die wir in den letzten Tagen getroffen hatten, so ging es für zwei Tage an die West-Küste Ecuadors in den kleinen Ort Montanita.
Teil 9 - Let´s Surf
Mancora, für europäische Surfer meist ein unbeschriebenes Blatt, wird hier in Südamerika in den siebenten Surferhimmel gelobt. Zu recht - denn selbst im Winter, wenn der kalte Humboldtstrom die dicksten Neoprenanzüge aus den peruanischen und chilenischen Kellern holt, sind hier im Norden Perus die meisten Wellenreiter in Bordshorts im Wasser.
Wir wählen dann doch lieber die Shortys als wir zum Kiten ins benachbarte Los Organos aufbrechen. Der Wind weht konstant side-on von links mit 4-5 Bft ab ca. 13 Uhr. Und das nahezu jeden Tag zu dieser Jahreszeit. Die Wellen am Riff (in Mancora oder am Wellensport Lobitos) variieren zwischen einem und drei Metern Höhe und der Shorebreak ist selbst für Wellenungeübte nach kurzer Eingewöhnungszeit passierbar. Als angenehme Abwechslung kann man die 10 Kilometer Downwind von Los Organos nach Mancora gemütlich in ca. einer Stunde zurücklegen und schon mal die eine oder andere Schildkröte oder Schwärme von Pelikanen am Weg begrüßen.

Sollte man noch kein (Kite-)Surfer sein, ist hier wirklich ein guter Platz um es zu lernen. Das Leih- und Schulmaterial ist überraschender Weise in gutem Zustand, die Lehrer nehmen sich richtig Zeit und sind engagiert und die Preise für Miete und Kurse sind niedriger als in Europa.
Kurz gesagt: Mancora ist ein gemütliches Fischerdorf, das sich im Wandel zu einem hippen Surfertreffpunkt befindet. Freundliche Leute (sowohl Einheimische als auch Touristen) und eine entspannte Atmosphäre sind eine nette Abwechslung zu den Orten an den typischen peruanischen Touristenpfaden.
Als Traveller sollte man zumindest eine Woche als Entspannung von der Reise einplanen – sozusagen Urlaub vom Backpacken, am Strand liegen und die Restaurants und Bars genießen.
Das Leben ist zwar hier ein wenig teuer als im restlichen Peru – von den horrenden Preisen von Cusco und Co ist man hier allerdings noch weit entfernt. Ein Menü inkl. Getränk bekommt man zum Beispiel zwischen € 2,- und 4,-. Neben den Surfern wird Mancora aber auch von reichen Bewohnern der Hauptstadt als Flucht vor dem ewig grauen Wetter und den niedrigen Temperaturen in Lima verwendet. Daher findet man hier nahezu jeden Standard für jede Geldbörse.
Teil 8 - FRANGLE.org zu Besuch bei El Nino Emanuel in Lima
Von Lima aus machten wir uns mit dem Taxi und einem Kofferraum voll mit Lebensmitteln, Toilettsachen und Spielen auf zu einem unserer FRANGLE-Projekte, zu Casa Hogar El Niño Emanuel. Das Waisenhaus beherbergt durchschnittlich 30 aus schwierigen familiären Verhältnissen. Aber auch von der Straße aufgelesene Kinder und Jugendliche aus dem Umkreis von Lima werden hier betreut. Das Waisenhaus liegt im Bezirk Huaycàn, der je nach Verkehr zwischen 30 und 45 Minuten vom Zentrum Limas entfernt ist.
Da wir uns mit den Einkäufen etwas zu viel Zeit gelassen haben, wird es bereits dunkel als wir dorthin aufbrechen, sodass uns ein wenig mulmig wird, als wir die Geschäftsviertel Limas verlassen und durch die "Pueblos Jovenes" (meist illegale Randsiedlungen, die durch Landbesitznahme entstanden sind) zu unserem Projekt gelangen. Der Taxifahrer bittet uns aus Sicherheitsgruenden, die Türen zu verriegeln.
Das Kinderheim "El Niño Emanuel" ist eine christliche Institution, mit der Vision, allen bedrohten Kindern ein neues Zuhause in einer sicheren und geborgenen Umgebung zu geben. Viele der Kinder waren Opfer von Gewalt oder lebten auf der Straße weil ihre Eltern nicht mehr für sie sorgen konnten.
Das große Eingangstor öffnet sich und schon stürmen uns die
Kinder entgegen, die uns umarmen, mit unzähligen Fragen löchern, uns ihre Sparschweine entgegenhalten und ins Haus ziehen. Stolz zeigen sie uns ihr Reich: die Schlafsäle, die Küche, den Speisesaal und den großen Aufenthaltsbereich, der gleichzeitig auch als Kirche dient. Für sie ist unser Besuch eine willkommene Abwechslung. So finden wir uns wenige Augenblicke später auch schon singend mitten in einer Schaar von Kindern wieder, die uns mit ihren Darbietungen für unsere Unterstützung danken.
Maria Luisa, die Direktorin des Heims, ist eine pensionierte Lehrerin, die sich seit zwölf Jahren der Arbeit hier widmet und den Kindern nicht nur eine Heimat gibt sondern mit einer guten Ausbildung, psychologischer und ärztlicher Betreuung für eine bessere Zukunft sorgt.
Alles hier ist sehr sauber und ordentlich. Die Zimmer sind einfach aber nett ausgestattet. Das gesamte Areal ist recht gross, sodass auch viel Platz zum Spielen zur Verfügung steht. Die Kinder scheinen sich hier wohlzufühlen. Alle helfen uns, die mitgebrachten Güter ins Haus zu bringen. Wir können nur jedem empfehlen, selbst hier vorbeizuschauen. Auch Volontäre sind hier immer willkommen, auch wenn wir dies nur "hartgesottenen" Reisenden empfehlen, die sich durch die wenig einladende Umgebung in den Slumvierteln von Lima nicht abschrecken lassen.
Es ist mittlerweile stockfinster geworden und wir müssen uns von allen verabschieden. Es war schön zu sehen, dass hier einigen der vielen benachteiligten Kinder in den Straßen Limas geholfen wird. Vielen Dank an alle, die diese Unterstuetzung an El Nino Emanuel möglich gemacht haben!
Teil 7 - FRANGLE goes Jungle - Reise zum Ursprung des Amazonas
"Kauft Euch auf dem Markt zwei Hängematten und Moskitospray und morgen früh geht`s los!" Wir sind auf unserer Reise durch Peru in der größten nicht auf dem Landweg erreichbaren Stadt der Welt - in Iquitos - gelandet und auf der Suche nach einem Guide für unsere Amazonastour auf Carlos gestoßen.
Rund 50 % des gesamten Landes ist Amazonasregenwaldgebiet, der gewaltige Fluss hat seinen Ursprung rund 200 km entfernt von Iquitos, wo der Rio Marañon und der Rio Ucayali den "größten Strom der Welt bilden. Dort wollen wir hin! Zwei Stunden Bus- und drei Stunden Bootsfahrt später finden wir uns in einer komplett anderen Welt wieder, weit weg vom hupenden Tuk-Tuk-Fahrzeugen, staubigen Straßen und lautem Stimmengewirr.

Wir sind in Puerto Miguel, einem kleinen idyllischen Fischerdorf mitten im Amazonasregenwald Perus.
Wir "quartieren" uns bei einer einheimischen Familie in einer großen aus Holz und Bambus gebauten und mit Palmenblaettern gedeckten Hütte ein, was bedeutet, wir suchen uns ein Plätzchen für unsere Hängematte inklusive darübergestülptem Moskitonetz. Wie dringend wir das Moskitonetz dann auch wirklich benoetigen, bekommen wir dann auch gleich in der ersten Nacht zu spüren. Wenn sich die Dämmerung über dem Regenwald legt, sind wir schon von tausenden der Blutsauger umgeben...
Das Leben hier ist einfach, sehr einfach. Einzige Wasserquelle ist der direkt
am Haus vorbeifließende durch Schlamm braungefärbte Fluss. Er dient mit seinem grossen Reichtum an Fischen, darunter auch Piranhas, als Nahrungsquelle, zum Wäsche waschen, zur täglichen Hygiene aber auch als Trinkwasserlieferant. Wir sind dankbar, einen eigenen Frischwassercontainer mitzuhaben. Strom gibt es nicht. Eine Kerze ist abendliche Lichtquelle. Die Familie schläft in einfachen mit Moskitonetzen bedeckten Holzbetten. Matratzen sucht man hier vegeblich. Eine Feuerstelle markiert die Küche des Hauses. Es gibt einen kleinen Tisch mit vier Holzschemeln, gegessen wird aber lieber am Holzboden sitzend. Rund ums Haus hängt die zum trocknen aufgehängte Wäsche und Hühner gackern unter dem auf Holzstelzen gebauten Haus. Zwei Hunde streiten sich um die Essensreste, die einfach nach draussen geworfen werden. Alltag in Puerto Miguel.

Neben einigen wenigen Motorbooten tummeln sich unzählige kleine Einbaumboote am Fluss, Kinder spielen am Ufer, Frauen waschen Kleidung und Männer versuchen ihr Glück und werfen Netze zum Fischfang aus. In der Regenzeit steigt das Wasser um bis zu 9 Meter an. Ein großer Teil des Flussufers wird dann über Monate hinweg überschwemmt und mit nährstoffreicher Erde bedeckt. Die Häueser stehen alle auf Stelzen um den Wassermassen standzuhalten. Nach dem Rückgang des Wassers werden die nun freistehenden Felder mit Reis bepflanzt und das alljährliche Spiel beginnt von vorne.

Nach zwei Nächten im Dorf geht es für uns direkt in den Regenwald. Mit dem Boot fahren wir in einen Amazonasseitenarm und plötzlich sehen wir nicht weit von uns etwas aus dem Wasser springen: Rosa Define. Wir sind begeistert. Auch Kaymane tummeln sich im Wasser, man bekommt sie mit ein wenig Glück in der Dunkelheit zu Gesicht,

Carlos unser Guide, der sich als ehemaliger National Geograhic und Discovery Channel Guide entpuppt, versichert uns, sie wären völlig ungefährlich, da sie von den Einheimischen gejagt werden und sich daher aus Angst vor den Menschen verstecken. Dasselbe gilt für die Piranhas, die nur angreifen, wenn Blut aus einer offenen Wunde ins Wasser kommt. Wir hoffen, dass er recht behält.

Wir schlagen unser Nachtcamp an einer kleinen Waldlichtung am Fluss auf - lediglich wir beide, Carlos und Mjelko, der Hausherr unseres Basiscamps.
Dann geht es zu einer Erkundungstour in den dichten Regenwald. Wir sind froh, lange Hosen zu tragen, was unsere ständigen Begleiter, die Mosquitos, ein wenig erträglicher macht. Plötzlich ein Aufschrei von den beiden zuvorderst gehenden Personen unserer Gruppe. Wir sind in einen agressiven Wespenschwarm geraten, die ihr Revier um jeden Preis verdeidigen. Jeder hatte zumindest zwei Stiche abbekommen, die höllisch brennen und erst nach und nach ihre Wirkung verlieren.

Wir lernen von unserem Guide die verschiedensten Medizinbäume und ihre Wirkung und Verwendung für die Indianerstämme am Amazonas kennen, bekommen neben vielen beeindruckenden Vögeln eine Gruppe wunderschöner bunter Papageien zu Gesicht. Schließlich fällen wir gemeinsam mit viel Aufwand und Kraftanstrengung einen Baum um an die ganz oben im Stamm befindlichen "Dschungel-Spaghetti" zu kommen, die wir am selben Abend dann lediglich mit ein wenig Salz und Zitrone verfeinert genießen - köstlich!
Die Nacht in der Hängematte mitten im Wald ist angenehmer als befürchtet. Wir hören das Vorbeirauschen von Fledermäusen, unter uns knistert kleines Getier am Boden und wir nehmen das Plätschern war, wie sich Vögel zur Fischjagd ins Wasser stürzen. Viele weitere undefinierbare Geräusche wiegen uns schließlich in den Schlaf.

Am nächsten Tag geht es wieder zurück in unser kleines Dschungeldorf. Aufgrund der Hitze lässt sich ein "Bad" im Flusswasser nicht vermeiden, auch wenn uns immer wieder "irgendetwas" unter Wasser anpickst.
Nach fünf Tagen hier sehnen wir uns allerdings nach einem richtigen Bad, ein Essen ohne Fisch am Teller, reines Trinkwasser, eine Moskito-freie Zone und einem Bett mit Matratze. Es ist sehr idyllisch hier, die Menschen scheinen glücklich zu sein - in ihrer eigenen Welt, weit weg von der Zivilisation der Stadt.
Tiefer im Amazonasdschungel leben auch noch Indianerstämme ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Menschen hier in Puerto Miguel haben wahrscheinlich Ihre Lebensweise nicht stark im Gegensatz zu den Ureinwohnern verändert. Sie laufen lediglich nicht nackt herum sondern tragen kurze Hosen und Shirts. Viele Riten und Gebräuche haben sich über Jahrhunderte kaum modernisiert. Das einzige was hier nicht ins Idyll passt, ist der mitten in der Hütte stehende Fernseher, der allerdings seit Monaten nicht mehr funktioniert und eher als Statussymbol dient.
Teil 6 - Nachhaltiger Tourismus einmal anders – Oder: Wie die Uros die Touristenströme lenken
Jeder kennt den Titicaca-See, zumindest namentlich. Doch die wenigsten waren tatsächlich vor Ort und haben sich die beschwerliche Anreise in eine Höhe von knapp 4000 Meter über dem Meeresspiegel angetan. Hat man jedoch das Mikroklima und die Höhe erst einmal „vertaut“, öffnet sich für den Besucher eine faszinierende Welt von beeindruckenden Farben und Riten der hier lebenden Menschen. Eine Vielzahl an Völkern haben sich rund um den See, sowohl auf der Peruanischen, wie auch auf der Bolivianischen Seite aber auch im und am See angesiedelt und pflegen ihre eigene Lebenskultur.
Ein Lokalaugenschein bei einer ganz speziellen Gruppe, der Uros, soll deutlich vor Augen führen, dass man Touristen durchaus bändigen kann und dennoch nicht ausschließen muss.

Die Islas de Uros sind von Puno aus sehr leicht und kostengünstig mit kleinen Booten zu erreichen. Lediglich eine halbe Stunde fährt man durch Kanäle vorbei an Schilfgürteln mit prächtiger Vogelwelt. Der „Normtourist“ beginnt den Tag früh, knapp nach Sonnenaufgang, und wird in einer geführten Tour vom Hotel abgeholt und mit Minibussen zum Hafen geführt. Von dort geht es direkt zu den traditionellen „schwimmenden Inseln“ des Stammes der Uros, die schon lange vor den Inkas rund um den See siedelten. Einige der damaligen Fischer fanden heraus, dass man auf kleinen herumtreibenden Schilfinseln Unterschlupf beim Fischen finden kann und bauten nach und nach größere Inseln, auf denen sich allmählich ganze Familien ansiedelten.

Mittlerweile gibt es ca. 60 Inseln, die zwar fix verankert aber dennoch schwimmend am See besiedelt wurden. Nahezu alles, was die Uros auf diesen Inseln zum Leben benötigen, wird aus dem Schilf der Umgebung hergestellt: Häuser, Böden, Schlafunterlagen und sogar Boote werden aufwendig und kunstvoll in Jahrhunderte alter Tradition verarbeitet. Das Schilf ist auch Teil des Speiseplans, der sonst meist aus Fisch und selbst gejagten Wasservögeln besteht.
Zu den Touristen gibt es eine geteilte Meinung bei den Uros: Einerseits stören sie das gemächliche Leben auf den Inseln, andererseits sind sie willkommene Einnahme- und Absatzquellen für das von den Frauen und Kindern gefertigte Kunsthandwerk. Aber bei den Uros gibt es eine Besonderheit im Umgang mit den Reisenden: Sie haben sozusagen „Öffnungszeiten“ auf ihren Inseln eingeführt. Sämtliche Touren finden lediglich in den Morgenstunden bei den Inseln statt und deren Bewohner spulen in dieser Zeit ihr tägliches „Touristenprogramm“ herunter. Es wird erklärt, wie die Inseln aufgebaut sind, wie das soziale Zusammenleben funktioniert und welche Lebensgewohnheiten üblich sind. Die Uros sind in grellbunten, der Tradition nachempfundenen Gewändern gekleidet und spielen die heile Welt auf dem See vor. Eine weitere Besonderheit gibt es hier auf der Inselwelt. Ein sozial ausgewogenes System bringt in einem rotierendem System die Touristen abwechselnd zu allen Inseln. Jede Gruppe ist einer Insel zugeordnet. Auf allen Inseln findet dasselbe Programm statt. So kommt es zu keinem Preisdumping und die Konkurrenz untereinander ist daher minimal. Nach einer Stunde Präsentation und einem abschließenden Besuch in einem Wohnhaus mit obligatem Kauf von recht kitschigem Kunsthandwerk geht es weiter.

Kaum sind die Touristen weg, was weit vor Mittag der Fall ist, wird zu „normaler“ Alltagskleidung gewechselt, man fährt nicht mehr mit Schilf- sondern Holzbooten, die nicht nach sechs Monaten verrotten. Die Kinder fahren zur Schule, die sich im Inselverband befindet, die Frauen knüpfen oder sticken und die Männer gehen Fischen oder Jagen.

Ein normaler Tag nimmt seinen Lauf. Kaum ein Tourist kommt nach dem ersten Ansturm auf eigene Faust hierher und die wenigsten übernachten in den einfachen Hütten, bei niedrigen Temperaturen, kaltem Wasser und nahezu nicht vorhandenen sanitären Standards (was aber bei ein wenig Abenteuerlust und Entdeckergeist zu empfehlen ist!).
Die Uros schaffen sich mit dem organisierten, auf den Morgen beschränkten Touristenbesuchen ihren Freiraum um ihr Leben nahezu ungestört zu führen und das allmorgendliche Indio-Disneyland bringt genügend Einkommen um die Zeiten begrenzen können.

Teil 5 - Auf den Spuren der Inkas – Von Ayacucho über Cusco nach Machu Picchu
Bereits die Zugfahrt durch das heilige Tal nach Machu Picchu ist ein Erlebnis für sich. Da keine Straße nach Aquas Calientes führt, bleibt einem ja auch nahezu keine andere Möglichkeit um zu dieser weltberühmten Inka-Ausgrabung zu gelangen.
Aber gehen wir zurück zu unserem Ausgangspunkt der Etappe – nach Ayacucho. Die Busse, die von Ayacucho nach Cusco fahren sehen bereits von außen abenteuerlich aus und machen „Vorfreude“ auf die knapp 20 Stunden dauernde Fahrt über die Anden. Die Busse sind besser gefedert als normale Reisebusse und weisen schon etliche Spuren der vorhergehenden Fahrten auf. Wir wurden von den Einheimischen gewarnt, dass es auf dieser Strecke oft zu Überfällen und Unfällen kommt, da die unbefestigte Straße am Rande einer nahezu gesetzlosen Region vorbeiführt, in der illegal Koka angebaut wird. Eine Woche vor unserer Reise wurde tatsächlich ein Bus überfallen: Die Reisenden mussten aussteigen und die Straßenräuber fuhren mit dem Bus und dem gesamten Gepäck davon. Daher wunderte es uns auch nicht, dass alle Reisenden im Bus bei Einbruch der Nacht von einer peruanischen Polizei-Spezialeinheit penibel durchsucht wurden.

Unterwegs sahen wir auf einer Hochebene, ein Goldgräbercamp, wo die Bauern der Region auf ihr großes Glück hoffen. Sie leben hier auf knapp 5000 Meter Höhe in notdürftigen Zelten und suchen in gemächlich dahinfließenden Bächen nach dem wertvollen Metall. Viel finden sie ohnehin nicht und die großen Bergbauunternehmen sind längst aus dieser Region in aussichtsreichere Gebiete abgewandert. Was jedoch bleibt, ist die Kälte und der unbändige Glaube auf ein besseres Leben in der Stadt...

Nach langer, anstrengender und staubiger Fahrt in Cusco angekommen, sind wir von der Pracht der Stadt überwältigt. Die Inkas hatten hier in Cusco die Hauptstadt ihres Reiches, dessen Reichtum und Macht auch heute noch durch zahlreiche Tempel, Mauern und Häuser deutlich wird. Die spanischen Eroberer leisteten zwar ganze Arbeit und bauten über alle rituellen Plätze katholische Kirchen und Klöster, die mächtigen Grundmauern der Tempeln konnten jedoch weder sie noch die stärksten Erdbeben zerstören. Ganz im Gegenteil: Die von den Beben eingestürzten Mauern der Kolonialzeit brachten die alten Tempel und rituellen Stätten der Inkas wieder zum Vorschein.
Cusco selbst glänzt mit alter Kolonialarchitektur rund um den Plaza de Armas. Die unzähligen Touristen, die von hier aus Machu Picchu und weitere Ausgrabungsstätten besuchen, bilden die Grundlage des heutigen Reichtums der Stadt. Die Preise hier sind im Vergleich zum restlichen Peru stark überteuert und ein Café kann schon mal das 15-fache im Vergleich zu einem Provinzlokal kosten. Auch die große Konkurrenz, an jedem Hauseck befinden sich Cafés, Restaurants oder eine Reiseagentur, schafft da keine Abhilfe. Aber es gibt auch etwas verschlafene Viertel, die noch nicht vollkommen von den Touristenscharen überflutet werden und es lohnt sich durchaus danach zu suchen.

Das Highlight jedes Perubesuchs ist natürlich Machu Picchu – und das vollkommen zu Recht. Die zu den „7 neuen Weltwundern“ zählende Inka-Zitadelle wirft auch nach 100 Jahren intensiver Forschung mehr Fragen auf als beantwortet werden. Weder der Zeitpunkt der Entstehung, noch der der Abwanderung der Inkas konnte geklärt werden. Auch der eigentliche Zweck der Stadt bleibt wohl für immer im Dunkeln. Man weiß lediglich, dass die Spanier diesen mystischen Ort nicht entdeckt haben. Zum Glück, denn deshalb blieben sämtliche rituelle Plätze erhalten, über die sonst möglicherweise ein Dominikanerkloster gebaut worden wäre.

Wie schon oben erwähnt, führt keine Straße von Cusco nach Aquas Calientes, dem Ausgangspunkt der Machu Picchu-Erkundung. Doch gibt es natürlich auch Alternativen zur Zugfahrt direkt von Cusco (bzw. Poray) durch das Urumbambatal. Die begehrteste und zugleich bekannteste davon ist wohl der ursprüngliche Inkatrail, der in der Nähe von Ollantaytambo beginnt und in vier Tagen vorbei an verschneiten Berggipfeln direkt nach Machu Picchu führt. Die Regierung hat hier schon vor langer Zeit ein Personenlimit eingeführt um den Pfad zu schützen und für die Nachwelt zu erhalten. Am Besten bucht man diesen Treck je nach Saison bereits ein Jahr im voraus. Im Februar ist der Pfad zur Reinigung und Regeneration der Pflanzenwelt jedoch vollkommen geschlossen. Findige Agenturen haben dazu natürlich einige Alternativen gefunden, wie entweder andere Wanderrouten, Mountainbiketouren oder neuerdings auch langwierige Anreisen mit dem Minibus über Santa Teresa zu einem nahe gelegenen Wasserkraftwerk und einer kurzen Etappe mit dem Einheimischenzug.

Alle diese Varianten führen nach Aquas Calientes (hier gibt es tatsächlich eine warme Quelle, von der auch der Name des Dorfes abstammt), das sich direkt am Fluss im tiefen Urubambatal an die Berghänge schmiegt. Da Aquas Calientes auf lediglich 2400 Meter über dem Meeresspiegel liegt (etwa 1000 Meter tiefer als Cusco), trifft man hier bereits auf ein vollkommen anderes Klima. Orchideen, tropische Blumen und Palmen weisen auf den nahen Dschungel an der Ostseite der Anden hin. Der Ort hat nur einen Zweck: Er dient den Touristen als Übernachtungsmöglichkeit für einen frühen Aufstieg nach Machu Picchu. Der Charme des Ortes hält sich dementsprechend in Grenzen und auch die Preise in den Hotels und Restaurants sind den Gegebenheiten angepasst.

Früh morgens, lange vor Sonnenaufgang, gehen die ersten los um pünktlich um 6:30 den Eintritt zur Inka-Stadt zu erreichen. Unzählige Stufen führen vom Fluss bergan zum Gipfel. Und nicht selten sind die morgendlichen Wanderer nach etwas mehr als einer Stunde vollkommen verschwitzt und erschöpft, bevor sie das Eintrittstor durchqueren (eine teure aber gemütliche Alternative stellt der Touristenbus um US$ 15,50 dar). Der Anblick der Zitadelle vom hoch gelegenen „Inka-Wärterhäuschen“ lässt aber alle Anstrengungen der Anreise vergessen. Man ist plötzlich Teil einer 1000-jährigen unerklärten Geschichte, die vor vielen Mythen und Ritualen strotzt. Jeder Stein, jedes Haus hat seine eigene Geschichte und jeder Guide erzählt sie ein wenig anders.
Das frühe Aufstehen zahlt sich aus – die Stadt mit weniger Besuchern zu sehen, macht sie noch mystischer. Die Umgebung, die steilen bewachsenen Berghänge und der tief im Tal fließende Urubamba, sind eine einzigartige Kulisse, die seinesgleichen sucht.
Später, so gegen 9 Uhr füllt sich das weitläufige Areal langsam und am Besten sucht man sich dann ein ruhiges Plätzchen zum Genießen oder wandert gemütlich zum Puerta del Sol (dem Sonnentor durch das der Inkatrail nach Machu Picchu führt) oder der einzigartigen Inkabrücke. Wer etwas mehr Zeit und Kondition hat, sollte unbedingt den zweistündigen Aufstieg zum heiligen Berg Wayna Picchu machen, der eine unglaubliche Aussicht auf das gesamte Areal bietet (bereits beim Ticketkauf berücksichtigen!).

Apropos Ticketkauf: Die Regierung begrenzte vor einigen Jahren auf Druck der UNESCO die Besucherzahl auf 2500 Personen pro Tag, doch die strenge Überwachung dieser Limitierung erfolgt erst seit Juli 2011 – genau 10 Tage vor unserer Ankunft! Das bedeutete, das wir wie viele andere Reisende zwar schon einen Zug und eine Unterkunft gebucht hatten, das Eintrittsticket aber noch fehlte. Nach einigen Bestechungsversuchen, was in Peru sonst gerne hilft, langen Warteschlangen für´s Umbuchen, viel Ärger und noch mehr Glück konnten wir mit einigen Tagen Verspätung doch unseren Entdeckungstrip starten. Also, ab sofort nicht nur das Zugticket (http://www.perurail.com) sondern auch das Eintrittsticket schon vorab online buchen und sich somit viel Ärger ersparen >> http://www.machupicchu.gob.pe
Unser Resümee: Macchu Picchu zählt sicher zu den Top-Attraktionen der Welt und ist somit ein absolutes Muss auf jeder Südamerikareise! Genug Zeit zum Akklimatisieren in Cusco einplanen, sonst kann einem schon mal die Luft wegbleiben...

Teil 4 - Mit dem Bus über einen "Ziegensteig" nach Ayacucho
Wir haben von unserem Projekt in Chupaca Abschied genommen und reisen weiter zu unserer nächsten Destination nach Ayacucho. Es sind nur knapp 250 km bis dorthin, aber neun Stunden Busfahrt sagen alles über die Straßenverhältnisse über die Berge aus. Unser Busfahrer meinte: "No es una carreterra, es un camino de cabra". "Das ist keine Straße, das ist ein Ziegensteig". Wir würden auch niemandem ans Herz legen, die Fahrt in der Nacht zu planen, jedoch auch am Tag ist es abenteuerlich, da die unbefestigte und ungesicherte Straße an vielen Stellen zum weit darunter liegenden Fluss abgerutscht ist und der Busfahrer Zentimeterarbeit leisten muss um nicht abzustürzen.

In der ersten halben Stunde der Fahrt hielt ein Angestellter des Busunternehmens ganz offiziell und höchst emotionell für alle Reisenden einen Vortrag über Gott, Essensgewohnheiten, Verdauungstrakte bis zu Toilettenbegebenheiten. Erst als er seinen Koffer mit traditionell chinesischen Medizinpulverchen hervorholte, war uns plötzlich klar, was seine eigentliche Intention war, nämlich möglichst vielen Gästen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nach weiteren 8,5 Stunden kamen wir durchgeschüttelt und erleichtert in Ayacucho an. Die Stadt selbst ist aufgrund der Abgelegenheit inmitten der Anden unerwartet schön. Wenngleich der Tourismus hier noch nicht angekommen ist, finden sich nette Plätze und gemütliche Lokale. Spannend sind auf jeden Fall der monströs laute und stinkende Verkehr sowie die 24 Kirchen aus der spanischen Zeit, die in der Früh eine Klangwolke aus unzähligen Glocken über die Stadt legen. Ein lustiger Trend, der gerade in Ayacucho angekommen ist, sind die zahlreichen Mobiltelefonverkäufer, die an jeder Straßenecke lauern und auch als lebendige Telefonzellen dienen.

Der eigentliche Grund dieser anstrengenden Anreise ist jedoch der Besuch eines unserer weiteren FRANGLE-Projekte, Casa Hogar Los Gorriones, ein Waisenhaus mit 35 Kindern aus ärmsten Verhältnissen. Viriciella, eine mexikanische Volontärin empfängt uns im projekteigenen Cafe-Restaurant Gorrioncito, wo Volontäre für Einheimische Gerichte aus aller Welt zubereiten. Sie erzählt uns vom täglichen Ablauf und die Anstrengungen vom Gründer, dem Belgier Gil, der selbst ein behindertes Kind aus Peru adoptiert hat. Jedes Kind hat seine eigene erschreckende Geschichte und Vergangenheit. Papa Gil, wie er von den Kindern genannt wird, gibt den Kindern nicht nur eine Heimat sondern sorgt mit einer guten Ausbildung, psychologischer und ärztlicher Betreuung für eine bessere Zukunft.

Wir machen uns mit sechs 50kg-Säcken Reis und Zucker, fünf Kartons Thunfisch und Milch sowie dringend benötigte Unterwäsche für Kinder und einem großen Sack mit Süßigkeiten auf zum Heim, das am Stadtrand von Ayacucho auf einem kleinen Hügel liegt.

Das gemietete, für 35 Kinder sehr kleine Areal ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet, ist aber dennoch sauber und ordentlich geführt. Ein Großteil der Kinder geht in der Umgebung zur Schule, fünf schwerer behinderte Kinder werden im Heim unterrichtet. Sie sind es auch, die uns gleich beim Ankommen herzlich begrüßen und uns mit den Betreuern das Haus und den Spielplatz zeigen.

Im Los Gorriones gibt es aber auch weitere soziale Projekte, wie Kinoabende mit anschließenden Diskussionsrunden über Problemthemen oder auch ein Filmprojekt für das peruanische Fernsehen wo auf die Problematik von Straßenkindern und privaten Initiativen bearbeitet wird.

Weitere Infos über das Projekt findet Ihr hier >>
Teil 3 - Beruehrende Momente bei Peru Luz de Esperanza
Jaime und Henry sind zwei unserer Schueler bei Luz de Esperanza. Sie sind mit Abstand diejenigen mit der schmutzigsten und abgetragensten Kleidung unter allen. Ihre Schultaschen sind alt, die Reisverschluesse kaputt, sodass eine Schnur die Öffnung zusammenhalten muss. Wir waren vor drei Tagen bei Henry und Jaime zu Hause, um die beiden Fenster und die Tuer, die wir gemeinsam mit zwei anderen Voluntären hier in der Tischlerei gebaut haben, einzubauen.
Das Haus besteht aus Lehmblöcken, zwischen Dach und Hausmauer klafft ein grosser Spalt, durch den in der Nacht der kalte Wind blaesst. Die Kueche besteht aus einer Feuerstelle am Boden im Eck des Hauses. Badezimmer und Toilette gibt es nicht. Zum Waschen dient der vorbeifliessende Bach, die Toilette ist irgendwo hinter Bäumen am angrenzenden Acker.

Sechs Kinder hat die Familie insgesamt, ein Kind ist behindert. Alle sechs schlafen im ersten Stock, der ueber eine Leiter zu erreichen ist, auf einer durchgelegenen Matratze mit alten Decken. Dabei muss man im ersten Stock aufpassen wenn man ueber die einzelnen Bodenbretter geht, damit man nicht in ein Loch tritt und im unteren Schlafzimmer der Eltern landet. Wir waren schockiert und peinlich beruehrt als wir die Zustaende dort sahen. Leider herrscht auch ein grosses Durcheinander. Ueberall liegt schmutzige Waesche herum. Auf Hygiene und Sauberkeit wird kein grosser Wert gelegt. Das ist neben der Armut oft ebenso ein großes Problem hier. Jaime und Henry freuen sich jetzt ueber die Fenster mit Glasscheiben und die Tuer zu „ihrem Reich“ im ersten Stock. Ein klein wenig hat Luz de Esperanza helfen koennen und wir freuen uns mit den beiden Buben.

Computerunterricht in der Schule war angesagt. Zum ersten Mal nahmen wir die mitgebrachten Laptops mit und waren gespannt auf die erste Unterrichtsstunde. Die meisten der Kids in unserer Klasse, sie waren zwischen 8 und 11 Jahre alt, kannten nur Computerspiele aus den Internetcafes oder hatten keine Ahnung von den Dingern. Das Einschalten ging schnell, die Mausbedienung hatten sie nach einigen „Mausziehern“ ins Nirvana auch heraussen und so ging es darum, Namen in verschiedenen Varianten, Groessen, Kaestchen und Schriftarten zu gestalten. Einige experimentierten dann sogar schon mit den furchtbarsten „Word-Art“-Moeglichkeiten ;-) Es waren zwei superlustige Stunden, die schon naechste Woche wiederholt werden.
Gestern organisierten wir vor dem Rohbau der neuen Schule ein grosses Fest fuer alle Kinder, um ihnen zu zeigen, dass es bis zur Eroeffnung nicht mehr allzu lange dauern wird. Wir hatten ordentlich an Essen und Getraenken eingekauft aber vorher ging es noch bei verschiedenen Wettbewerben heiß her. Wir waren erstaunt, wie ehrgeizig die Kids ans Sackhuepfen & Co gingen. Wie fanatisch feilschte jede Gruppe um ihre Punkte. Bei insgesamt 100 Kindern zwischen 3 und 14 Jahren ging es ziemlich rund. Bei der Siegerehrung verteilten wir an die Gewinner aus Österreich mitgebrachte Spielsachen und Schulhefte mit Stickern. Fuer die Kids war es wie ein zweites Weihnachten, das mit Flan-Pudding, Gelatina und Popkorn fuer alle ausklang.


Mehr Fotos findet Ihr unter www.facebook.at/frangle.org
Teil 2 - Baustellenarbeit auf peruanisch
Wenn irgendwo bei uns in Österreich ein Haus gebaut wird, dann gibt es einige Monate vorab einen genauen Bauplan, die Finanzierung steht, Wasser und Strom sind an das Grundstück angeschlossen, ein Baumeister ist engagiert, der grobe Zeitplan ist berechnet und Arbeiter warten auf ihren Arbeitseinsatz. Dass es eine Straße hin zum Grund gibt, versteht sich von selbst.
Hier in Peru ist alles anders. Wir erleben es jeden Tag mit Verwunderung bis zur Verzweiflung mit. Gestern hat ein Lastwagen unsere Sandbestellung mitten auf der Straße abgeladen. Natürlich hat er nicht darauf Rücksicht genommen, ob noch Autos, Pferdekarren oder sonstige Gefährte vorbei können. So war unsere erste Aufgabe, den Sand auf die Seite zu schaufeln. Heute früh haben wir uns mit dicken Reissäcken bewaffnet, um den mit schweren Steinen bestückten Sand mühevoll auf dem Rücken bergauf zum Grundstück zu tragen.

Die alte Schule wurde bei einem Umwetter weggeschwemmt. Seit Monaten wird schon an der neuen Schule gebaut. Der Rohbau steht. Was fehlt, sind noch Fenster und Türen, Zwischenwände, der Boden und natürlich die Einrichtung.
Die neue Schule hat keine Zufahrtsstraße und nur einen Weg steil bergauf über eine Kuhwiese. Wir haben 140 Schritte mit dem Gewicht der schweren Sandsäcke auf dem Rücken gezählt! Bei mehr als 3200 m Höhe atmet es sich bei Anstrengung zusätzlich schwer. Insgesamt werden es ungefähr 1000 Sandsäcke sein.

Es wird dann weitergebaut und Material eingekauft, wenn wieder Geld da ist. Zeitplanung gibt es keine. Werkzeug ist nicht viel zu finden. Einen Kran hat der Ort noch nie gesehen. Eltern packen manchma<
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